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Staatliche Theorie des Geldes / von Georg Friedrich Knapp
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viertes Kapitel. Übersicht nach 5taaten.

Die älteren Bemühungen Soetbeers und Bambergers (umnur die Vorkämpfer zu nennen) wären weit leichter begreiflich,wenn damals eine irgend haltbare Theorie des Geldwesens schonbestanden hätte und von jenen Männern zu Hilfe gerufen wordenwäre. Das war aber nicht der Fall. Was wir jetzt als Theorie desGeldwesens vortragen, beruht alles erst auf Erfahrungen, die nach1871 gemacht worden sind. Es ist ganz und gar ausgeschlossen,die genannten Vorkämpfer so aufzufassen, als wenn sie im geheimenBesitze der neueren Theorie gewesen wären. Sie haben durchihre Taten erst die Grundlagen dafür geschaffen. Noch dazu warSoetbeer weit entfernt von jeder theoretischen Schulung; Bam-berger entbehrte zwar der Anlage dazu keineswegs, aber sein prak-tischer Lebenslauf ließ ihn zu keiner Ausbildung derselben kommen.

Was jene Männer damals antrieb, sich für Goldwährungins Zeug zu werfen, war ein dunkler Trieb, wie er bei handelndenMenschen stets zugrunde liegt. Indem sie diesem Triebe folgten,brachten sie vielfach Argumente von großer Anfechtbarkeit vor,und es muß gesagt werden, daß gerade die schwächsten Gründe beimPublikum den meisten Eindruck machten. Der ganze Umschwungzugunsten des Goldes scheint heutzutage als Ergebnis eines In-stinktes, der gewisse Träger und Leiter der öffentlichen Meinungmit Tatkraft erfüllt: der Weg, den sie in ihrem Drange anraten,ist der Weg zum richtigen Ziele; aber die Gründe, weshalb dasPublikum ihnen folgt, sind nicht immer die richtigen Gründe.

Wohlhabende Völker brauchen Geld von kostbarerem Stoffeals arme Völker." Wer hört es nicht gerne, daß er zu wohl-habend geworden sei, um noch am Silbergelde zu haften!Gleichwohl steht es fest und stand es damals lange fest, daß dieNiederländerreicher" sind als wir und sie hatten ihr Silber-geld behalten, dem sie doch eher als wir entwachsen waren.

Denn so große Zahlungen, wie sie jetzt häufig gewordensind, müssen in handlicheren Stücken geleistet werden." DieserGrund verweist uns aber mit noch stärkerer Nötigung auf Bank-noten oder Kassenscheine die ja auch vor 1871 in Deutschland massenhaft zu diesem Zwecke dienten.