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Staatliche Theorie des Geldes / von Georg Friedrich Knapp
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§ I8d. Deutsches Reich ; Übergnng 1371 bis 1875.

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möglich gewesen. Es fragt sich also, weshalb wendete man sichvom Silber ab und dem Golde zu?

In dem Sinken der Londoner Silberpreise kann der Grundnicht liegen. Im Jahre 1871, als die Reform begann, standenjene Silberpreise zufällig genau so hoch, wie das französischeGesetz von 1803 sie als normal angenommen hatte. Das Sinkenbegann erst um 1873 und war jedenfalls zum Teil die Folgeder Geldreformen, die damals bei uns und in Skandinavien vorgenommen wurden.

Wenn man in Frankreich etwa ums Jahr 1869 an Über-gang zur Goldwährung dachte, so war dies die einfache Folgeder dort geltenden Verfassung, wonach das Gold sich von selberan die Stelle des Silbers eingeschoben hatte. Bei uns aber,wo eine Ausprägung von Gold gar nicht stattfand, weil unsereVerfassung vor 1871 dem Golde gar keine Verwendung zuwies,kann von bloß tatsächlichem Eindringen des Goldes gar nichtgeredet werden.

Es fragt sich also noch immer, weshalb wir uns dem Goldezugewendet haben, da doch dieser Schritt nicht notwendig zu-sammenhing mit der Einführung eines neuen Reichsgeldes.

Es bestand auch kein ausgearbeiteter Plan für die Neuerung;weder bei der Regierung des Reichs noch bei den damals ein-flußreichen Publizisten überblickte man im voraus den Weg, derzu beschreiten war. Nur ganz im allgemeinen tauchte der Ge-danke an Goldwährung auf. Am tätigsten erwies sich in derPresse Soetbeer, ein Hamburger Publizist, von unermüdlichemEifer; und im Reichstag der Abgeordnete Bamberger, der alsKenner des Bankwesens hohes Ansehen genoß und in wichtigenAugenblicken die Entscheidung herbeizuführen pflegte. BambergersEingreifen steht aber schon unter dem Einfluß der seit 1873sinkenden Silberpreise, also wesentlich unter dem Einflüsse einerspäteren Konjunktur. Uns ist aber hier vor allem wichtig, wes-halb man vor 1871, als die Silberpreise noch nicht unter jenenals normal betrachteten Stand gefallen waren, den Übergang zurGoldwährung empfahl.