Zusammenschluß Frankreich - England - Rußland
den Ausgang des Kriegs mit Japan der ferne Osten ver-schlossen worden war, nunmehr auch von Mittelasien aufden Balkan und die Türkei abgelenkt.
Nicht ganz ein Jahr später, im Juni 1908, traf KönigEdward mit dem Zaren Nikolaus in Reval zusammen. AlleWelt wußte, daß diese Zusammenkunft, die das größteAufsehen erregte, den Fragen des näheren Orients, vorallem der mazedonischen Frage galt. Damit begab sichdie russisch-britische Entente auf ein Gebiet, das — imGegensatz zu Mittelasien, dem Objekt des Vertrages von1907 — deutsche und vor allem österreichisch-ungarischeInteressen von großer Bedeutung einschloß.
Seit jener Zeit konnte man mit Fug und Recht vonder Triple-Entente, dem dreifachen Einver-nehmen, sprechen. Was diese neue Kombination be-deutete, läßt sich am besten mit den Worten des belgischenGesandten in Berlin, Baron Greindl, sagen:
„Der Dreibund hat während dreißig Jahren den Welt-frieden gesichert, weil er unter der Führung Deutschlandsstand, das mit der politischen Gruppierung Europas zu-frieden war. Die neue Gruppierung bedroht ihn, weil sieaus Mächten besteht, die eine Revision des Status quoanstreben."*
Aber mit dem Zusammenschluß der drei GroßmächteFrankreich-England-Rußland war die Änderung in derMächtegruppierung noch keineswegs erschöpft. Unser
• Bericht vom 22. Juni 1907.
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