Italienische Begehrlichkeit
sagen; sie wurden während der Dauer des Dreibundver-hältnisses lediglich um größerer Interessen willen not-dürftig niedergehalten, bedeuteten aber stets eine latenteGefahr. Dann hatte Italien, seitdem Frankreich sichTunis angeeignet hatte, ein Auge auf das türkische Tripo-lis geworfen, eine Begehrlichkeit, die geeignet war, zummindesten das freundschaftliche Verhältnis des deutschenBundesgenossen zur Türkei erheblich zu belasten.
England mit seinem riesigen Kolonialreich hat in allden Jahren seit der Einleitung unserer Kolonialpolitikkeine territoriale Differenz mit uns gehabt, die hättekritisch werden können. Wir haben England bei der Aus-gestaltung seines Imperiums keine Schwierigkeiten in denWeg gelegt, haben uns vielmehr über die afrikanischenund polynesischen Kolonialfragen mit ihm in einer keines-wegs kleinlichen Weise verständigt. Auch in Ägypten,diesem für das britische Weltreich so wichtigen Lande,haben wir England freie Hand gelassen. Im Burenkriegehat die Reichsregierung, trotz der starken Erregung derdeutschen öffentlichen Meinung gegen England, eine durch-aus korrekte Neutralität beobachtet. Vielfach hat sichEngland mit Deutschland zur Aufrechterhaltung des statusquo und der offenen Tür zusammengefunden. Jedenfalls warauch England in keinem Winkel der Welt durch deutscheAngriffs- oder Eroberungsabsichten irgendwie bedroht.
Dagegen enthielt unser Verhältnis zu England einenandern Zündstoff, der verhängnisvoll geworden ist:
43