Vom Dreibund zum Dreiverband
Insbesondere der wirtschaftliche Aufschwung Deutsch-lands von der Mitte der 90er Jahre an alarmierte Englandskommerzielle und politische Kreise in zunehmendemMaße. Das Stigma „made in Germany" verfehlte offen-kundig seinen Zweck, ja es wurde geradezu eine Ent-hüllung der wachsenden industriellen und kommerziellenLeistungsfähigkeit des deutschen Wettbewerbs. Ange-sehene Staatsmänner, weit verbreitete und einflußreicheZeitungen und Zeitschriften wiesen warnend und mahnendauf die deutsche Gefahr hin. Schon frühzeitig bezeichneteLord Rosebery Deutschland als den gefährlichsten Neben-buhler Großbritanniens: „Wir sind bedroht durch einenfurchtbaren Gegner, der uns benagt wie das Meer dieschwachen Teile eines Küstenlandes. Der Handel desvereinigten Königreichs verringert sich unaufhörlich, undwas er verliert, das gewinnt in der Hauptsache Deutsch-land." Und wenn Lord Rosebery noch in erster Reihedaran dachte, seine Landsleute zu einer Bekämpfung desdeutschen Wettbewerbs durch eine Nachahmung der deut-schen Rührigkeit, der deutschen technischen Schulung undOrganisation anzufeuern, so regten sich doch bald Stimmen,die unter Berufung auf die britische Geschichte und Tra-dition unzweideutig dazu aufforderten, das Schwert in dieWagschale des wirtschaftlichen Wettbewerbs zu werfen.Die „Saturday Review" schrieb schon im August 1895:
„Vor allem andern: Wir Engländer haben bisher immerunsre Nebenbuhler im Handel mit Krieg überzogen; und
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