Die deutsche Kriegsflotte
durch die stärksten Anstrengungen des im Gegensatzzu England durch die Notwendigkeit eines starken Land-heeres beschwerten Deutschen Reiches unmöglich ernsthaftin Frage gestellt werden konnte. Die dem Ausbau derdeutschen Kriegsflotte gestellten Aufgaben und gezogenenGrenzen sind seinerzeit klar ausgesprochen worden in derBegründung des deutschen Flottengesetzes von 1900:
„Um unter den bestehenden Verhältnissen DeutschlandsSeehandel und Kolonien zu schützen, gibt es nur ein Mittel:Deutschland muß eine so große Schlachtflotte besitzen,daß ein Krieg auch für den seemächtigsten Gegner mitderartigen Gefahren verbunden ist, daß seine eigene Macht-stellung in Frage gestellt wird."
Gleichwohl erregten die deutschen Flottenpläne in Eng-land von Anfang an Unruhe und Besorgnis. Wenn man sichschon durch das weltwirtschaftliche Wachstum Deutsch-lands beeinträchtigt und bedroht fühlte, so noch mehrdurch die Aussicht auf eine erhebliche Verstärkung derdeutschen Machtmittel zur See. Deutschlands überseeischeund koloniale Betätigung mochte in England manchemals noch erträglich erscheinen, solange diese Betätigungmangels einer ins Gewicht fallenden deutschen Flottegewissermaßen auf der Gnade und dem guten Willen Eng-lands stand; sie wurde alarmierend von dem Augenblickean, in dem Deutschland seiner werdenden Wirtschafts-macht in einer eigenen starken Flotte eine entsprechendeMachtgrundlage zu geben versuchte.
4* 51