Vom Dreibund zum Dreiverband
Je deutlicher man in England erkannte, daß das DeutscheReich sein durch die Gesetze von 1898 und 1900 fest-gelegtes Flottenprogramm mit einer unerwarteten Präzisiondurchführte, desto größer wurde in England die Unruhe,und desto mehr wurde die Flottenfrage zum Angelpunktdes deutsch-englischen Verhältnisses. „Mit dem Auge aufdie englische Politik mußte unsere Flotte gebaut wer-den," so schreibt Fürst Bülow in seinem Buch über diedeutsche Politik, ,,— und so ist sie gebaut worden. DerErfüllung dieser Aufgabe hatten meine Bemühungen aufdem Felde der großen Politik in erster Linie zu gelten."Wie ein roter Faden zieht sich durch des Fürsten BülowDarstellung seiner auswärtigen Politik die Notwendigkeit,eine ausreichend starke deutsche Flotte zu schaffen, ohnees zum Kriege mit England kommen zu lassen.
Das Verhältnis der Kriegsflotte zu den zu schützendenSee- und Überseeinteressen war bei Deutschland auch nachden Flottengesetzen von 1898 und 1900 ganz offenkundigungünstiger als bei irgendeiner andern großen Nation. Auchdas Flottengesetz von 1905, das die deutsche Kriegs-flotte, entsprechend der Stellung Deutschlands in der Welt-wirtschaft, an den zweiten Platz brachte — in weitemAbstand nach England — stellte das Gleichgewicht welt-wirtschaftlicher Interessen und maritimer Machtmittelnoch nicht annähernd her. Wenn trotzdem die deutschenVersuche, durch Schaffung eines Risikos für eine angrei-fende Flotte wenigstens einen mittelbaren Schutz für unsere
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