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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
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Englische Erregung über Deutschlands Flottenpolitik

weltwirtschaftlichen Interessen aufzubauen, in Englandin so hohem Maße Unruhe, Verdacht und Erregung her-vorriefen, so konnte man das bedauern und gegen die FolgenDeckungen suchen, aber ebensowenig ohne Selbstaufgabevermeiden wie die aus unsern wirtschaftlichen Fort-schritten erzeugte Reibung.

Bis zu welchem Grade schon frühzeitig die Empfindlich-keit über unsere Flottenpolitik in England, namentlich inMarinekreisen, gestiegen war, in welchem Maße sie dasVerlangen nach einem gegen Deutschland zu führendenSchlag auslöste, enthüllte sich anläßlich des Zwischenfallsan der Doggerbank im Herbst 1904. Die auf der Fahrtvon Libau nach den ostasiatischen Gewässern begriffenebaltische Flotte Rußlands beschoß damals nächtlicherweileaus Versehen eine englische Fischerflotte, die sie für japa-nische Torpedoboote hielt. Die Erregung in England warungeheuer und richtete sich merkwürdigerweise auf Grundder abenteuerlichsten Gerüchte und Vermutungen nichtnur gegen Rußland, sondern auch gegen Deutschland, dasmit dem ganzen Vorfall nicht das mindeste zu tun hatte.Damals schrieb die der britischen Admiralität nahestehendeArmy and Navy Gazette", der Augenblick scheine ge-kommen, mit der deutschen Flotte ein Ende zu machen;die russische Flotte sei, vielleicht für immer, aus der Nord-see verschwunden, die deutsche Kriegsflotte stehe dortvöllig allein, jetzt oder nie sei für England die Gelegenheit,die mit jedem Jahr drohender anwachsende deutsche Flotte

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