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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
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Rußlands Drohungen, Deutschlands Festigkeit

des Verbündeten bedroht seien, für eine Laune desVerbündeten in einen Kampf auf Leben und Tod gehenmüßten. Wenn sich allerdings zeigen sollte, daß die andereSeite einen Angriff beabsichtige, dann werde man jedeGefahr auf sich nehmen müssen.

Dieser ruhige und feste Standpunkt, der allein denFrieden erhalten konnte, war für die deutsche Politik auchin der weiteren Entwicklung maßgebend. Er wurde durch-gehalten sowohl gegenüber einem starken russischen Druckwie auch gegenüber anders gerichteten Tendenzen und vor-übergehenden Verstimmungen in Wien.

Rußland suchte in Berlin mit Drohungen zu wirken. Sosagte mir am 18. November der erste Sekretär der russi-schen Botschaft, Herr Botkin, den Serben könne der Zu-gang zur Adria unmöglich verweigert werden; wennÖsterreich-Ungarn sich dagegenstelle, werde Rußland inRücksicht auf seine öffentliche Meinung gezwungen sein,einzugreifen, und das bedeute den Weltkrieg. Zwei Tagespäter hatte ich den Besuch des Herrn Davydoff, früher Chefder russischen Reichsrentei und rechte Hand des HerrnKokowzoff, jetzt Präsident der Russischen Bank für aus-wärtigen Handel. Er kam aus Paris, wo er eine Anleihe zu-gunsten von Bulgarien durchgesetzt hatte. Er erzählte mirviel von dem großen wirtschaftlichen und finanziellen Auf-schwung Rußlands; allein in Deutschland habe Rußland jetzt

Guthaben in Höhe von 700 Mülionen Mark. Dann sprach er

/ -über die politische Lage und fragte mich, ob ich glaube, daß

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