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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
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Die Etappen zum Weltkrieg

es wegen der serbischen Aspirationen zum europäischen Kriegkommen werde. Ich antwortete, das müsse er besser wissenals ich, denn die Entscheidung liege bei Rußland. Er ent-gegnete, Deutschland müsse Österreich zur Vernunftbringen; wenn die Lage sich weiter zuspitze, müsse er sichals Finanzmann mit seiner Verantwortlichkeit abfindenund sich fragen, ob es richtig sei, so viel Geld im Auslandstehenzulassen. Also ein deutlicher Wink, daß uns imFalle einer weiteren Komplikation die russischen Mil-lionen abgezogen werden würden, deren Höhe Davydoffübrigens beträchtlich übertrieben hat. Ich stellte damalsfest, daß die Deutsche Bank an Rußland weit größere For-derungen hatte, alsumgekehrt Rußland bei ihr an Guthabenverfügte. Die Summe der russischen Guthaben bei sämt-lichen deutschen Banken war zweifellos erheblich geringer alsdie von Davydoff genannte Ziffer, und von dieser geringerenSumme waren die sehr erheblichen kurzfristigen deutschenForderungen an Rußland abzusetzen. Die deutsche Politikließ sich durch solche Bluffversuche nicht beirren.

In Wien war man mit der deutschen Unterstützungkeineswegs ganz zufrieden. Gegenüber den beunruhigendenGerüchten über ein österreichisch-ungarisches Ultimatuman Serbien, bevorstehende österreichisch-ungarische Mobil-machung usw., die von Wien aufflatterten, brachte dieNord-deutsche Allgemeine Zeitung" am 26. November ein ener-gisches Dementi, dem ein Zusatz beigefügt war, die Mächteseien sich einig, die albanische und adriatische Frage erst im

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