Deutscher Einigungsversuch mit England und Frankreich
des Jahres kam Sir Ernest nach Berlin. Er stellte zur Er-wägung, ob wir uns entschließen könnten, das südlicheStück der Bagdadbahn, von der Stadt Bagdad bis zumPersischen Golf, an eine unter englischer Führung stehendeGesellschaft zu überlassen, wogegen England seinen bis-herigen Widerstand gegen das Unternehmen aufgeben unduns nördlich von Bagdad freie Hand lassen sollte. An sichwäre eine solche Lösung vom Standpunkt der deutschenInteressen aus erträglich gewesen, vorausgesetzt, daß dietürkische Regierung ihr Mißtrauen gegen eine Verstärkungder englischen Stellung in Südmesopotamien überwindenkonnte und daß zwischen den beiden Finanzgruppen Ab-machungen über das Ineinandergreifen des Betriebs derbeiderseitigen Linien getroffen worden wären, die einenreibungslosen Durchgangsverkehr für Personen und Güterin derselben Weise wie auf einem einheitlichen Netzegesichert hätten.
Die Aussprache hatte aber zunächst keine weitere Folge.Im Gegenteil, im Laufe des Jahres 1910 kam es zu einemabermaligen, von Frankreich ausgehenden und von Eng-land unterstützten Vorstoß gegen Deutschlands finanzielleund wirtschaftliche Stellung in der Türkei. Eine franzö-sische Gruppe, die Fühlung mit englischen Kreisen suchteund fand, betrieb mit Hochdruck das Projekt einer Eisen-bahn von Nordsyrien durch das Euphrattal nach Bagdad,um durch diese etwas kürzere, wirtschaftlich und strategischjedoch für die Türkei weniger wertvolle Konkurrenzlinie
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