Die letzten Verständigungsversuche
der durch das Tigristal führenden deutschen Bagdadbahnden Todesstoß zu versetzen. Gleichzeitig wurde dasstarke Geldbedürfnis der Türkei von der französischenRegierung ausgenutzt, um der Türkei Bedingungen auf-zuerlegen, die der Errichtung einer Finanzkontrolle gleich-kamen und die Türkei in allen wirtschaftlichen Angelegen-heiten, namentlich auch in der Ausgestaltung ihres Eisen-bannnetzes, dem Machtspruch der Westmächte unter-worfen hätten. Der bedrängte türkische Finanzminister,der sich in Paris vor so unannehmbare Bedingungengestellt sah, fand in London verschlossene Türen. InParis und London war man überzeugt, daß Deutsch-land nicht stark genug sei, um der Türkei eine wirk-same finanzielle Hilfe zu gewähren: „Londres ne veutpas, Berlin ne peut pas!" triumphierten damals diefranzösischen Zeitungen.
Die Rechnung war falsch. In der Erkenntnis, daß esgelte, die Unabhängigkeit der Türkei und damit die gleich-berechtigte Stellung Deutschlands in diesem wichtigenund zukunftsreichen Lande zu erhalten, schloß sich diegesamte deutsche und österreichisch-ungarische Bankweltzu einem großen Konsortium zusammen, um der Türkeiaus der Bedrängnis zu helfen. Im November 1910 reisteich im Auftrag dieses Konsortiums nach Konstantinopel,um mit dem türkischen Finanzminister über die Anleihe-bedingungen zu verhandeln. Nach wenigen Tagen konn-ten die Verträge unterzeichnet werden, die der Türkei
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