Druckschrift 
Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
163
Einzelbild herunterladen
 

Wachsende Spannung

Dieselben berufenen und sachverständigen Persönlich-keiten, die vor zwei Jahren sehr lebhafte Befürchtungenbei der bloßen Erwähnung von möglichen Schwierigkeitenzwischen Frankreich und Deutschland äußerten, stimmenjetzt einen andern Ton an; sie behaupten, des Sieges ge-wiß zu sein, machen viel Aufhebens von den übrigens wirk-lich vorhandenen Fortschritten, die die französische Armeegemacht hat, und behaupten sicher zu sein, das deutscheHeer zum mindesten lange genug in Schach halten zu kön-nen, um Rußland Zeit zu lassen, mobilzumachen, Truppenzusammenzuziehen und sich auf seine westlichen Nach-barn zu stürzen . . . Ein erfahrener und hochgestellterDiplomat sagte neulich: ,Wenn sich jetzt plötzlich einesTages ein ernster Zwischenfall zwischen Frankreich undDeutschland ereignet, so werden die Staatsmänner beiderLänder sich bemühen müssen, ihm innerhalb der nächstendrei Tage eine friedliche Lösung zu geben, oder es gibtKrieg.'"

Es ist ausgeschlossen, daß die britische Regierung überdiese Stimmungen und Strömungen in Frankreich undRußland nicht unterrichtet war. Es ist ausgeschlossen,daß sich Sir Edward Grey und seine Leute keine Rechen-schaft darüber gegeben haben, daß die von Iswolski an-geregte engere Knüpfung der Triple-Entente in dem Ge-danken seines Urhebers dazu dienen sollte und in ihrertatsächlichen Wirkung dazu dienen mußte, den überhitztenKessel noch weiter anzuheizen. Man mag zugunsten der

«' 163