Rußland deckt Serbien
sich von selbst. Nur die felsenfeste Überzeugung, daß esgelingen werde, den Frieden zu erhalten — eine Über-zeugung, die jede Absicht, auf den Krieg loszusteuern,unbedingt ausschließt -—, läßt das Unterlassen aller mili-tärischen, diplomatischen und wirtschaftlichen Kriegs-vorbereitungen überhaupt erklärlich erscheinen. —
Die Aufnahme, die das österreichisch-ungarische Ulti-matum an Serbien bei Rußland fand, mußte soforterkennen lassen, daß die Hoffnung auf Erhaltung des Frie-dens an einem schwachen Faden hing. Die Lokalisierungdes österreichisch-serbischen Konflikts war die Voraus-setzung aller Friedenshoffnungen. Die russische Regierungließ jedoch bereits am Tage nach der Überreichung desUltimatums, am 24. Juli 1914, bekanntgeben, daß derösterreichisch-serbische Konflikt Rußland „nicht indiffe-rent lassen" könne. Durch spätere Veröffentlichungen*wissen wir, daß an demselben 24. Juli der russische Mini-ster des Auswärtigen dem serbischen Gesandten in Peters-burg erklärte, daß Rußland in keinem Fall aggressiveHandlungen Österreich-Ungarns gegen Serbien zulassenwerde. Das war eine Ermunterung Serbiens zum Wider-stand gegen die österreichisch-ungarischen Forderungen,die ihre Wirkung nicht verfehlte. Gedeckt durch Rußlandgab Serbien auf das Ultimatum am 25. Juli eine Antwort,die bei scheinbar weitem Entgegenkommen in wesent-lichen Punkten die österreichisch-ungarischen Forderungen
* Siehe „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" vom 3. Januar 1915.
187