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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
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Der Ausbruch des Weltkrieges

Vorbereitungen nichts bekannt. Vom Grafen Pourtales liegekein Bericht vor, der auf etwas Derartiges schließen lasse;im Gegenteil, es häuften sich die Nachrichten, daß dieRussen auch an unserer Grenze mobil machten. Auf meineMitteilung der Anregung Davydoffs, ob der Kaiser demZaren gegenüber nicht eine Initiative ergreifen wolle, sagtemir Zimmermann, daß der Kaiser aus eigenem Antriebbereits einen sehr herzlichen Friedensappell an den Zarengerichtet habe.

In der Tat war die russische Friedenspartei, die sichwohl hauptsächlich um Kokowzoff gruppierte und in derenAuftrag Davydoff wie ich ohne weiteres annehme, gutenGlaubens und mit dem besten Willen sich betätigte, zuschwach, um die Partie gegen die übermächtig gewordenerussische Kriegspartei durchzuhalten. Der Minister desAuswärtigen, Herr Ssasonoff, besorgte, wie später aus denverschiedenen amtlichen Veröffentlichungen und vor allemauch aus den Aussagen im Ssuchomlinoff-Prozeß einwandfreibekannt geworden ist, zusammen mit dem KriegsministerSsuchomlinoff und dem Generalstabschef Januschkewitschunbeirrbar die Geschäfte der Kriegspartei. Schon am24. Juli, dem Tag nach der Übergabe des Ultimatums,hatte er den Botschaftern Englands und Frankreichs er-klärt, daß Rußland die Mobilmachung, über die ein Kronratam nächsten Tage beschließen werde, unter allen Um-ständen durchführen werde. Ein solcher Beschluß ist inder Tat am 25. Juli gefaßt worden, und zwar mindestens

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