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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
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t)ie russische Kriegspartei

für die südlichen und südöstlichen Gouvernements. DerBeschluß wurde vor Deutschland und Österreich-Ungarnzunächst geheimgehalten. Ebenso wie Davydoff mir am28. Juli abends Mitteilung von einer angeblich in Peters-burg erfolgten Verständigung darüber machen ließ, daßweitere militärische Vorbereitungen unterbleiben sollten,hatte schon am 27. Juli der russische Kriegsminister demdeutschen Militärattache beruhigende Versicherungen ge-geben. In Wirklichkeit wurde am 29. Juli der Welt dieMobilisierung der Korps von Odessa, Kiew, Moskau undKasan als vollzogene Tatsache mitgeteilt, und die Nach-richten, daß die Mobilisierung in den an Deutschland an-grenzenden Gouvernements in vollem Gange sei, wurdenimmer zahlreicher und bestimmter.

Die Hoffnung auf ein Dazwischentreten des Zaren konntebei der bekannten Willensschwäche dieses Herrschers nichtallzu hoch veranschlagt werden. Sein erstes Antwort-telegramm an unsern Kaiser bestätigte diese Auffassung.

So gab es nur noch eines, was die russische Kriegsparteivon der Entfesselung des Krieges abhalten konnte: einstarker Druck Frankreichs und Englands zugunsten desFriedens.

Österreich-Ungarn hatte einer solchen EinflußnahmeFrankreichs und Englands die Wege geebnet durch seinealsbald nach Überreichung des Ultimatums abgegebeneErklärung, daß es weder eine territoriale Vergrößerung nocheine Beeinträchtigung der Integrität Serbiens, sondern

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