Druckschrift 
Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
200
Einzelbild herunterladen
 

Der Ausbruch des Weltkrieges

nur seine eigene Sicherheit erstrebe. Als aber der deutscheBotschafter unter Hinweis auf diese Erklärung an diefranzösische Regierung herantrat, um dieser anheimzu-stellen, bei der russischen Regierung im Interesse desFriedens zu intervenieren (26. Juli), da lehnte die franzö-sische Regierung diese Anregung mit der Begründung ab,Rußland habe keinen Anlaß zu Zweifeln an seiner Mäßigunggegeben; aber Deutschland möge bei seinem Bundesgenossenintervenieren, um ihn von militärischen Operationen gegenSerbien abzuhalten. Aus keinem der zahlreichen von denEntenteregierungen über den Ursprung des Krieges ver-öffentlichten Dokumenten ergibt sich ein Anhalt dafür,daß die französische Regierung in irgendeinem Stadiumder Krisis auch nur den kleinen Finger gerührt habe, umauf Rußland in versöhnlichem Geiste einzuwirken und esvon den mit ihrer Kenntnis eingeleiteten militärischenMaßnahmen, die den Krieg bringen mußten, zurückzuhal-ten. Das ganze Bestreben der französischen Regierungin jener Zeit war darauf gerichtet, von der britischenRegierung formelle und bindende Zusicherungen dar-über zu erhalten, daß England im Falle des Kriegs-ausbruchs sofort auf der Seite Frankreichs und Rußlandseingreifen werde.

Bei dieser Sachlage hielt England die Entscheidungin den Händen. Die britische Regierung hatte die Wahl,entweder durch eine Aufmunterung an Frankreich undRußland, vielleicht auch schon durch ein passives

200