Druckschrift 
Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
201
Einzelbild herunterladen
 

England sucht zu vermitteln

Gewährenlassen, den Krieg zu entzünden, oder durch einenachdrückliche Bekundung, daß sie wegen der öster-reichisch-serbischen Angelegenheit nicht in den Krieggehen werde, den Brand im Keime zu ersticken.

Die Nachrichten, die in jenen Tagen aus London herüber-kamen, amtliche und private, ließen zunächst einige Hoff-nung, daß die britische Regierung, insbesondere Sir Ed-ward Grey, sich ernstlich im Interesse des Friedens be-mühen werde. Es sickerte durch, daß England demDrängen Rußlands und Frankreichs nach einer sofortigenSolidaritätserklärung einigen Widerstand entgegengesetzthatte. In der Tat billigte Sir Edward Grey ausdrücklichdie am 24. Juli von Sir George Buchanan in Petersburggegenüber Ssasonoff gemachten Ausführungen, daß diebritische öffentliche Meinung einen Krieg wegen derserbischen Streitfrage nicht sanktionieren werde. Aller-dings sprach er sich auf der andern Seite scharf miß-billigend über das österreichisch-ungarische Ultimatuman Serbien aus und betonte, daß die serbische Antwortder Wiener Regierung hätte genügen müssen; desgleichenlegte er dem deutschen Botschafter nahe, daß diedeutsche Regierung im Sinne des Friedens auf WienEinfluß nehmen müsse.

Letzteres ist von deutscher Seite geschehen, nachdem diedeutsche Regierung den Vorschlag Greys, die österreichisch-serbische Angelegenheit einer Konferenz, bestehend ausGrey als Vorsitzendem und den Botschaftern Frankreichs,

201