Deutscher Druck auf Wien
durch Nichtbeachtung unsrer Ratschläge in einen Welt-brand hineinziehen zu lassen. Euer Exzellenz wollen sichgegen Grafen Berchtold sofort mit allem Nachdruck undgroßem Ernst in diesem Sinne aussprechen."
Der Reichskanzler hat seinem Schritt bei der WienerRegierung durch ein zweites Telegramm folgenden Inhaltsnoch einen besonderen Nachdruck gegeben:
„Falls die österreichisch-ungarische Regierung jede Ver-mittlung ablehnt, stehen wir vor einer Konflagration, beider England gegen uns, Italien und Rumänien allen An-zeichen nach nicht mit uns gehen würden, so daß wir mitÖsterreich-Ungarn drei Großmächten gegenüberständen.Deutschland würde infolge der Gegnerschaft Englandsdas Hauptgewicht des Kampfes zufallen. Das politischePrestige Österreich-Ungarns, die Waffenehre seiner Armeesowie seine berechtigten Ansprüche gegen Serbien könntendurch die Besetzung Belgrads oder anderer Plätze hin-reichend gewahrt werden (das entsprach dem VorschlagGreys). Wir müssen daher dem Wiener Kabinett dringendund nachdrücklich zur Erwägung stellen, die Vermittlungzu den angebotenen Bedingungen anzunehmen. Die Ver-antwortung für die sonst eintretenden Folgen wäre fürÖsterreich-Ungarn und uns eine ungemein schwere."
Die deutsche Regierung hat also von der Bewegungs-freiheit, die sie sich durch ihre Nichtbeteiligung an derFestlegung der Einzelheiten der österreichisch-ungarischenAktion gewahrt hatte, im entscheidenden Augenblick
205