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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
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Der Ausbruch des Weltkrieges

Gebrauch gemacht, um im Sinne des Friedens auf die WienerRegierung einen Druck auszuüben, und zwar wie derReichskanzler von Bethmann Hollweg später mit Rechtsagtein Formen, welche bis an das Äußerste dessengehen, was mit unserm Bundesverhältnis verträglich ist".Jedenfalls haben die französischen und englischen Staats-männer diesem deutschen Druck auf Österreich-Ungarnkeinerlei auch nur entfernt ähnlich geartete Aktion bei derrussischen Regierung zur Seite zu stellen.

Der Erfolg des deutschen Druckes auf Wien war, daßder österreichisch-ungarische Botschafter in Petersburgalsbald Weisung bekam, die infolge eines russischen Miß-verständnisses bisher unterbliebene Konversation mitHerrn Ssasonoff sofort aufzunehmen, und zwar auch, wasdie Wiener Regierung bisher hartnäckig verweigert hatte,über den materiellen Inhalt des Ultimatums; daß fernerGraf Berchtold die deutsche Regierung wissen ließ, er seibereit, dem Vermittlungsvorschlag Greys näherzutreten;daß schließlich noch am Nachmittag des 30. Juli eine Unter-redung zwischen dem Grafen Berchtold und dem russischenBotschafter in Wien, Herrn Schebeko, stattfand, die alleeiner direkten Aussprache zwischen Wien und Petersburgnoch entgegenstehenden Schwierigkeiten aus dem Wegeräumte. Der französische Botschafter in Wien, der ebensowie sein englischer Kollege von Herrn Schebeko alsbaldüber den Verlauf dieser Unterredung unterrichtet wurde,telegraphierte nach Paris, daß er nun wieder eine Hoffnung

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