Druckschrift 
Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
207
Einzelbild herunterladen
 

Wirkung des Wiener Nachgebens

auf Lokalisierung des Konfliktes sehe. Sir Edward Greytelegraphierte am folgenden Tag an den britischen Bot-schafter in Petersburg, daß er mit großer Genugtuung vondieser Wiederaufnahme der direkten Aussprache zwischenÖsterreich-Ungarn und Rußland Kenntnis genommenhabe.

Es war also der Bemühung Deutschlands am Nachmittagdes 30. Juli gelungen, die Wiener Regierung zu einem Schrittdes Entgegenkommens zu veranlassen, der den bereits ver-schlossen scheinenden Weg zum Frieden wieder öffnete.

In Berlin sah man mit der größten Spannung derWirkung der österreichisch-ungarischen Nachgiebigkeit aufRußland und die Westmächte entgegen. Die Meinungenüber den Erfolg gingen am Freitag (31. Juli) im AuswärtigenAmt auseinander. Während die einen neue Hoffnungzeigten, sagte mir Herr von Stumm am Freitag (31. Juli)vormittag, er sehe keine Hoffnung mehr, England vomKrieg zurückzuhalten. Churchill und die City wollten denKrieg, und sie seien die Stärkeren. Während ich mit Herrnvon Stumm sprach, kam die Nachricht, daß die Bank vonEngland ihren Diskontsatz auf acht Prozent erhöht habe.Sturmsignal! Ferner die Nachricht, daß Asquith imUnterhaus die Vertagung der Diskussion über Homeruleverlangt habe,da England eine geschlossene Front zeigenmüsse". Aus Petersburg keine Nachricht über die Aufnahmedes Wiener Nachgebens; dagegen Berichte, daß trotz desvon dem russischen Generalstabschef dem deutschen

207