England sucht geeigneten Kriegsgrund
sondern sichtlich auch Sir Edward, dessen Eröffnungenvom Tage vorher an Herrn Cambon durch das Kabinettgewissermaßen desavouiert waren, sehr unangenehm. SirEdward beeilte sich, tröstend hinzuzufügen, weitere Ent-wicklungen könnten die Lage ändern und Regierung undParlament von der Berechtigung einer britischen Inter-vention überzeugen; die Neutralität Belgiens könne, wennnicht ein entscheidender, so doch mindestens ein wichtigerFaktor für die Bestimmung der Haltung Englands sein.Und Sir Arthur Nicolson, der Vater der britisch-russischenEntente, der wohl von allen britischen Staatsmännernmit dem größten Zielbewußtsein auf den Koalitionskrieggegen Deutschland hinarbeitete, gab Herrn Cambon,als dieser ihm beim Verlassen des Kabinetts des Staats-sekretärs begegnete, vertraulich zu verstehen — so be-richtete Herr Cambon nach Paris —, daß der Staatssekretärnicht verfehlen werde, die Diskussion im Kabinett wieder-aufzunehmen.
In all dem kann niemand auch nur die Spur eines Be-mühens nach Verhinderung des Krieges finden; was klarund unverhüllt zutagetritt, ist das Suchen nach einem fürdas britische Kabinett und die britische öffentliche Mei-nung genügend zugkräftigen Kriegsgrund. Man stelle dasVerhalten Sir Edward Greys gegenüber dem französischenBotschafter und gegenüber dem deutschen Botschafter inVergleich: In seinen Unterhaltungen mit dem FürstenLichnowsky lehnte er jede Andeutung über die Bedingungen
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