Journalist und Volksreduer,
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Aufwiegler. Daß Zitz sich schließlich für die Republik erklärte, wurdefür das Werk meiner Teufelei erklärt, und ein bischen Wahrheitwar dabei. Da mein Haar eine ziemlich stark ins Rötliche spielendeFarbe hatte, so hieß ich bald im Doppelsinn des Wortes „derrote Bamberger", und da ich blaß im Gesicht und beispiellosmager am Körper war, so sagten sich die Mitleidigen unter-einander: es sei alles nur Ausgeburt eines krankhaften Wesens,das sich in kurzem an seinem eignen Sein verzehren müsse. AnProphezeiungen eines knrzen Erdenwallens hat es mir nie gefehlt.Auf der Universität hieß ich „der Wagehals", weil ich wagte,aus meinen dünnen Beiuen durch die Welt zu gehen. Am meistenbekam ich zu hören, daß ich viel zu jung sei, um den Staat re-formieren zu wollen, und ich habe in Wort und Schrift mehr alseine Lanze für das Recht der Jugend gebrochen. Wenn ich einigesdavon heute wieder lese, finde ich, daß lange nicht alles falsch waran meinen Einwänden, besonders aber, daß ein heiliger Eiser undein ungestümes Drängen für einen großen Gedanken der Jugendwohl ansteht, und daß der nicht zu beklagen ist, der sich von diesemFunken etwas für den Rest des Lebens zu bewahreu imstande ist.
Für die Verschärsuug der Gegensätze war reichlich gesorgt,besonders durch deu Umstand, daß Mainz eine Bundesfestungwar, in welcher preußische und österreichische Garnison lag. Schonbald in den Märztagen war es zu bösen Auftritten zwischen Bürgernund Soldaten in den Straßen gekommen, die durch redliche Be-mühungen der beiderseitigen Behörden wieder ausgeglichen wurden.Wie schon bemerkt, waren es von jeher die preußischen Soldaten,gegen welche sich die Antipathieen richteten.
Während der Wiener Aufstand vom 13. März vor allemwegen der Verjagung Metternichs die ohnehin als Repräsentantender Gemütlichkeit behandelten Oesterreicher verstärkter Vorliebeempfahl, hatten die Berliner Kämpfe des 18. März nnd dieweiteren Vorgänge am selben Schauplatz die antipreußischenStimmungen noch beträchtlich verschärft. Die neugebildete Bürger-garde, welche aus ausdrückliches Verlangen aus dem DarmstädterZeughause mit Gewehren versehen worden war, gab dem Festungs -gonvernement zu denken. Die Übungen im Exerzieren, die aufdem der Garnison dienenden Platz vorgenommen wurden, führten