Journalist und Volksredner.
7?
leger immer mehr zur Oual geworden. Von Mitte April anwurde Zaberu durch Abgesandte aus den bezeichneten Kreisen ge-drängt, mich zu entlassen und bedroht, daß man andernfalls dasAbonnement abbestellen werde. Er blieb unerschüttert.
Man kann sich denken, daß seine übrigeus liebenswürdigeund vortreffliche Frau ihm die Unannehmlichkeit einer Verfeindungmit ihrem Vater, dem genannten Staatsratspräsidenten Jaup vor-halten mußte. Und bei aller Gereiztheit, mit der ich meinerseits denStreit führte, ging mir die Pein, welche ich meinem Ehrenmannvon Verleger bereitete, doch sehr zu Herzen. Ich bot ihm an, unserVerhältnis wieder zu lösen, und er nahm den Vorschlag dankbaraus. So trat ich am 5. Mai, nach nicht ganz zwei Monaten,von der Redaktion wieder ab, allerdings um später in verschiedenenFormen wieder zu ihr zurückzukehren. Was mir die Sache be-sonders empfindlich machte, war, daß sich grade im selben Momentdie Gründung eines Blattes vollzog, welches meine Gegner, imVolksmunde mit einer von mir erfundenen Bezeichnung „die Wohl-denkenden" genannt, zur Bekämpfung meiner Zeitung ins Leben ge-rufen hatten, unter dem Titel der „Rheinischen Zeitung " (nicht zu ver-wechseln mit der in Köln unter gleichem Namen von Karl Marx herausgegebenen). An der Spitze der neuen Redaktion stand so-gar ein alter intimer Freund von mir, Or. Julius Creizenach,der ältere Bruder des bekannten Litteraturhistorikers TheodorCreizenach . Der ältere Bruder war einige Jahre älter als ich,ebenfalls Jurist und ein Mann von umfassender Bildungund ernstem Streben. Auch er hatte zu dem oben erwähntenengen, litterarisch angehauchten Kreis gehört, und wir hattenuns nahe aneinander angeschlossen, in täglichem Verkehrnamentlich philosophische Studien getrieben. Wenige Monatevor Ausbruch der Februarrevolution hatten wir uns wegeneines ganz einfältigen Streites entzweit. Und unn tauchteder alte Kamerad an der Spitze der mir feindlichen Kohortewieder anf. Sein Blatt, welches man nach heutiger Klassifikationnatioualliberal nennen würde, hat nicht lange bestanden. Später,als ich in Paris lebte und er einmal dahin kam, versöhnten wiruns wieder, und merkwürdiger Weise gerieten wir uns — ohneaber persönlich auseinander zukommen — von neuem bei dem großen