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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Journalist und Volksredner.

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das Redigieren einer täglichen Zeitung ist, soll es mit Auf-merksamkeit, Hingebung und eigner Produktion betrieben werden,dieses nie stille stehende Nad, bei dem man nie zu der Empfindungkommt: Jetzt bist du fertig, weil im selben Augenblick die Sorgefür die folgende Nummer einsetzt.

Ich war übrigens in so gntem Einverständnis mit Eigen-tümer und Redaktion ans der Zeitung geschieden, daß ich schonnach Wochensrist als Outsider wieder einen Leitartikel mit meinemNamen unterzeichnet hineinsetzte, welcher derRheinischen Zeitung "in einem scharf gepfefferten Angriff zu Leibe ging. Er war charak-teristisch für eine Polemik, die sich noch oft in Deutschland wieder-holen sollte, nämlich die gerechte Abwehr gegen die unsterblicheKategorie derbesten Männer", welche nie Reaktion sahen undfür den Fall, daß Reaktion käme, derselben mit ihrem furchtbarenWiderstand drohen.

Außerdem fuhr ich fort ohne Namen und Abzeichenmeine Beiträge in einer Sprache zu liefern, welche den Autornicht unkenntlich zu machen suchte, insbesondere auch in den Be-richten über den nen gegründeten demokratischen Verein, in denich nnn meine Hauptthätigkeit verlegte, sowie in meinen Sitzungs-berichten aus der Paulskirche. Hier wie dort fand ich dieGelegenheit, mich für das politische Leben einzuüben und für alleFolgezeit den Grund zu legen.

Der demokratische Verein ward der Mittelpunkt für alleradikalen Elemente der Stadt und der nächsten ländlichen Um-gebung und erfreute sich sowohl eines sehr starken Anhangs als sehrzahlreicher thätiger Mitarbeiter. Die Parteiorganisation, welchewir damals schufen, überlebte in ihrer Ueberlieferung die Reaktions-zeit der fünfziger Jahre, und als ich nach achtzehn Jahren mitmeiner Kandidatur für das Zollparlament unter ganz verändertenUmständen und in einer wesentlich anderen Richtung meinenWählfeldzug führte, waren es noch die Grundlagen jener altenVereinsbilduug uud ihrer Methode, welche zu meinem Erfolg eingutes Stück beitrugen und so mir die Früchte eiuer längst ver-gangenen Arbeit einbrachten, denn ich hatte damals von allendiesen Dingen einen beträchtlichen Teil übernommen.

Am 5. Mai hatte ich mich von derMainzer Zeitung" verab-