schiedet. Acht Tage später brachte dieselbe den Bericht über diekonstituierende Versammlung des demokratischen Vereins, welcheim Saale des „Frankfurter Hofs" abgehalten wurde. DiesesLokal war sehr gut gewählt. Im zurückliegenden Hof eines ineiner verkehrsreichen Straße stehenden Hauses befindlich, war derSaal geräumig, hoch und mit breiten Zuschauergalerien auf dreiSeiten versehen. Er dient noch bis auf heutigen Tag zu solchenZwecken. Bezeichnender Weise ging er nach eingetretener Reaktions-zeit aus dem Besitz der Demokratie in den der Ultramontanenüber, welche noch immer ihre großen Versammlungen dort halten.Im Verlaus der Zeit führten wir auch den Branch ein, daß dasweibliche Element Zutritt hatte, und dies war uns begreiflicherWeise für unsere Propaganda so nützlich wie angenehm. DieDamen saßen ans den vordersten Bänken, der Estrade des Vor-standes und der Rednerbühne zunächst. Aktiv beteiligten sie sichnicht an den Verhandlungen, aber ihre passive Assistenz leistetedoch das ihrige. Mainz ist sür die Schönheit seiner Be-wohnerinnen mit Recht berühmt, und wir hatten ein gutesKontingent derselben zu begeisterten Anhängerinnen. Auch etwasToilette wurde für die Sitzuugsabende nicht verschmäht, ganz un-beschadet des heiligen Ernstes, welchen diese Fraueu und Mädchen,denn auch solche waren dabei, nach ihrer Art, in die Sache legten,und der nicht unwesentlich dahin mitwirkte den Sitzungen einengewissen weihe- und würdevollen Charakter zn geben.
Ich war beauftragt worden, den Statutenentwurf zu machen,und hatte nun nach den ersten Formalitäten denselben vorzu-tragen. Zunächst aber hielt ich natürlich eine Einleitungsrede.Einige Sätze aus demselben mögen zur Charakteristik damaligerallgemeiner und persönlicher Stimmung hier aus dem Berichtangeführt sein, der übrigens nicht von mir verfaßt war.
Der Zweck des Vereins, so hieß es da, sei kein beschränkter,in Ausdehnung und Mitteln eng abgegrenzter; vielmehr erstreckt ersich weit, nämlich er habe nichts weniger im Ange als den Umsturzund die Reorganisation unserer ganzen politischen nnd sozialenVerhältnisse; unser politisches und soziales Leben, vor Hundertenvon Jahren begründet, passe nicht mehr zu unseren heutigen Be-griffen, namentlich nicht zu unserer Vorstellung vom Zweck des
Drittes Kapitel.