Journalist und Volksredner.
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wache der Bürgergarde nahe gelegenen Wohnung dahin geeilt.Als ich kam, war bereits alles rnhig, nur ein Verwundeterlag auf der Pritsche der Wache und wartete der ärztlichen Hilfe.Sonst alles still. Doch sofort wurden die Festungswälle mitKanonen und Mörsern armiert, Vorbereitung zum Glühen vonKugeln getroffen, und etliche Stunden später erschien eine vondem General Hüser und dem österreichischen Platzkommandantenv. Jetzer unterzeichnete Proklamation, in der unter der Drohungeines Bombardements der Stadt befohlen wurde, noch am selbenAbend binnen zwei Stunden sämtliche Waffen der Bürgerauszuliefern. Aus dringendes Bitten der städtischen Behördewurde diese lächerlich kurze Frist bis zum anderen Morgen zwölfUhr erstreckt. Ob wirklich bei Nichterfüllung die Stadt zu-sammengeschossen worden wäre, hat natürlich nie festgestelltwerden können. Aber die städtischen Behörden nahmen dieDrohung sehr ernst und konnten wohl nicht anders. Späterwurde zur Beschönigung dieser extravaganten Drohung angegeben,die Soldaten der Besatzung seien dermaßen erbittert gewesen,daß man zu ihrer Beruhigung diese ernsten Anstalten hättetreffen müssen. Genug, die tausend Gewehre, welche einigeWochen vorher das Darmstädter Zeughans auf den Altar derVolksbewaffnung niedergelegt hatte, um damit ebenso viele inblauen Kitteln uniformierte Mainzer Bürger zu bewaffnen, wurdennebst einer Anzahl Jagdflinten und alter Pistolen nnd Säbelabgeliefert, und damit war die Gefahr, daß die Festung einerGarnison von mindestens achttausend Mann entrissen werde, fürimmer beseitigt.
In der Paulskirche hatte die Sache das Nachspiel, daß sehrerregte Debatten darüber hervorgerufen wurden, daß dasParlament eine Deputation zur Berichterstattung nach Mainz hinübersandte, daß diese auch ihre Schuldigkeit that, daß aberschließlich ein Antrag von Zitz und anderen Mitgliedern derLinken auf Wiederherstellung des normalen Zustandes, auf eiuenWechsel der Garnison uud auf ein Verbot des Waffentragensanßer Dienst verworfen wurde. Gleiches Schicksal hatte einsehr bescheidener Antrag der parlamentarischen Kommission selbst,uud schließlich siegte die einfache Tagesordnung. Die Debatten,