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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
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gründ schieben, als das Sinnliche oder Weltliche. Die gläubigeSeele einer klugen Frau wird einen klugen Ungläubigen niehindern, sie wirklich zu lieben.

Unter den dauernden Freundschaften mit solchen, die sichdamals einen Namen machten und später auf dieser Höhe blieben,hätte ich aus jener ersten Frankfurter Zeit nur noch Moritz Hart-mann zu nennen. Doch knüpfte sich unser gegenseitiges engeresVerhältnis erst in einer späteren Zeit, die in der Schweiz begannund sich zunächst in London fortsetzte. In Franksnrt hatten wirnur wenige Male uns miteinander unterhalten, und nach langenJahren innigster Verbrüderung hat es uns oft ergötzt, wennHartmann schilderte, wie ganz entgegengesetzt ich bei jenen erstenBegegnungen ans ihn gewirkt hätte. Ein Beleg dazu, daß dererste Eindruck doch nicht immer der richtige ist.

Drittes Kapitel.

Die Paulskirche sollte gleich in den ersten Tagen von Mainz den Anlaß zu sehr stürmischen Verhandlungen bekommen.

Ich habe schon erwähnt, daß die Errichtung einer be-waffneten Bürgerwehr bei dem Militär sehr starkes Mißgefühlerregt hatte.

Nach verschiedenen unbedeutenden Reibungen kam der latenteKonflikt am Abend des 21. Mai znm hellen Ausbruch.Schlägereien zwischen preußischen Soldaten (die österreichischenblieben immer aus dem Spiel) und Bürgern arteten zu einemheftigen Kampf aus; es wurde von Hieb- und SchußwaffenGebranch gemacht; auf Seiteu des Militärs gab es einige Tote;auf Seiten der Bürger Verwundete. Und diesen Anlaß ergriffder preußische Vizegouverneur, General von Hüser, als einenwillkommenen Vorwand, um der ihm mißfälligen Soldatenspielereiein Ende zn machen.

Wenn auch beklagenswerte Opfer gefallen waren, so hattedoch der gesamte Vorgang nicht eine Sekunde lang denAnschein geliefert, als ob für deu militärischen Besitz der Stadtund Festnng die kleinste Gefahr bestehen konnte. Die ganzeStörnng hatte nur wenige Stunden gedauert, der eigentlicheKampf entfernt nicht so lange.