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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Paris ,

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in der Pariser Komischen Oper zur Aufführung zu bringen. Alleindas Publikum verwarf die Oper, und sie erlebte nur wenige Vorstel-lungen. Ihr Titel 1.6 Demon äö lg. nuit gab Anlaß zu dem bos-haften Wortspiel: Is vsmon äs I'snrmi. Die Sehnsucht, eineandere Oper und natürlich mit Erfolg in die Welt zu setzen, ver-folgte den Komponisten durch sein ganzes Leben, und daß es nichtgelingen wollte, nagte an ihm bis zu seinem späten Ende.

Die Verantwortung für dies Mißgeschick schob er hauptsäch-lich daraus, daß er das richtige Libretto nicht auftreiben könne.Wie manchen Komponisten hab ich noch gekannt, der ganz vonderselben Überzeugung durchdrungen war; den Dichtern, welchedurchfallen, ist dieser Trost versagt; vielleicht bringen sie es vorsich selbst fertig, die Darsteller verantwortlich zu machen; dieNatur ist so gütig.

Nach dem Krieg verlegte Rosenhain seinen Wohnsitz nachBaden-Baden , wo er schon ein hübsches Landhaus besaß, das erfrüher nur im Sommer, von da an aber das ganze Jahr mitseiner Frau bewohnte. Er hatte lange in Paris ein sehr an-genehmes Haus ausgemacht, wenn auch nicht auf großem Fuß,und konnte die Annehmlichkeit dieses verfeinerten und freundlichensozialen Verkehrs nie verschmerzen. Anch das Emporkommen derWagnerschen Richtung, die er unversöhnlich ablehnte, lag wie einDruck auf ihm.

Er war persönlich ein sehr liebenswürdiger, intelligenter Mannund treuer Freund.

In seinem Pariser Salon lernte ich natürlich besondersMusiker kennen. Die Wittwe Cherubiuis, eine stattliche sympathischeGreisin, gehörte zu den Stammgästen; Marschner einen Winterlang ebenfalls. Eine interessante Figur war der musikalischeKritiker der Rsvus äsg clsux inonäss, der Italiener Scudo, einwegen seiner Strenge gefürchteter Rezensent, der anssah wie einalter Offizier. Er verkehrte später auch in meinem Hanse und istmir durch eiue Reminiszenz besonders im Gedächtnis geblieben,die zugleich deu Schluß dieser Beziehung bildete.

Eines Tages war er bei mir mit einer Anzahl von Freundenzu Tisch. Er führte besonders lebhaft das große Wort und beieinem ganz unbedeutenden Anlaß wurde er ausfällig gegen mich