333
war allerdings nicht rauschend gewesen, aber immerhin noch eingut gemessener, wie ein französisches Auditorium, uud besondersin einem Privatzirkel, ihn schon aus purer Höflichkeit zu spenden,nie unterläßt. So viel würde bei uns in Deutschland schon einvolles Maß bedeuten. Ich habe deshalb später häufig an diesErlebnis denken müssen, weil bei allen Produktionen vor einer— kleinen oder großen — Versammlung die Resonnanz der Corona eine unleugbare Wichtigkeit hat und nicht bloß vom Standpunkteder Virtuosen-Eitelkeit, welche im erwähnten Fall mit komischerReizbarkeit zu Tage trat, benrteilt werden muß.
Über die Claque im Theater ist ja fchon viel geredet undgeschrieben worden, und die Sache ist nicht so einfach, wie die,welche sie schlechthin verwerfen, meinen. Die große SchauspielerinRachel erklärte, sie könne sie nicht entbehren. Und sie wußte dochso gut wie irgend jemand, daß sie ein rein mechanischer, garnichts bezeichnender Lärm ist. Aber wenn die für das Theateram höchsten begabten Franzosen das Instrument der Claque zueiner Institution erhoben habeu, so steht die Vermntnng nahe,daß sie den Gruud ihres Daseins, ihre raison ä'strs, doch ineinem Naturverhältnis hat. Der, welcher eine unmittelbareWirkung vou seiner Person aus auf andere ausüben will, bedarfim Gange seiner Thätigkeit, zu deren Unterstützung und Förderung,des Gefühls dieses Zusammenhanges. Wird er darin-irre, sohört die Quelle seiner Eingebung zu fließen auf; wird er darinbestätigt, gar angefeuert, so kommt die Quelle je nach dem Maßder Zustimmung in Fluß. Der Beifall befruchtet; ja die Zeichendes Mißfallens können zwar einschüchtern, sie tonnen aber auchreizen, denn immerhin sind sie ein Zeichen, daß der Vortragendeaus sein Publikum wirkt, daß der Znsammenhang da ist, unddas ist die Hauptsache. Nur die gänzliche Regungslosigkeit desPublikums, welche dessen Geistesabwesenheit zum Ausdruck briugt,tötet. Uud darum ist es begreiflich, daß selbst der fiktive Beifall,den die Claque spendet, ans dem Wege der Suggestion die ge-wallte Stimmung in dem Produzenten bis zu einem gewissenGrade hervorbringt; der mit allen Fasern aus ein Echo seinerLeistung warteude Produzent baut sich daun mit Hilfe seinerPhantasie im Gefühl die Brücke zwischen dem äußeren Schall und