344 Siebentes Kapitel,
der Maler Gsräme, einer der pekuniär ganz uninteressierten Gönner,Pfeiler der Sache war, ließ ich mich auch dahin mitnehmen. Wirkamen in einer engen Seitenstraße an ein kleines Haus, und tratenebener Erde in eine Schenke ganz geringer Art ein. Alsdannging es eine Treppe hinan in den Raum, wo das Vergnügenbeginnen sollte.
Er bestand aus zwei mittelgroßen Stuben, die dnrch Ent-fernung der Flügelthüren zu einem gemeinsamen Zimmer verbundenwaren. In dem ersten war an der Wand eine weiße Leinwandaufgespannt, auf welche mittels ausgeschnittener Papiere allerhandvorübergleitende Bilder projiziert wurden. Rezitationen undLieder, in humoristischem Ton vorgetragen, gaben den Text dazu.Der Humor galt der Tagespolitik oder zweideutigen Späßen,dazwischen boten die Kellner Getränke an, und es wurde geraucht.Mir schien das Ganze recht öde.
Gsröme, der, Gott weiß, wie oft schon, dagewesen, lachte wiedas ganze Publikum aus vollem Herzen. Beim Nachhansegehensagte er zn meinem Bruder: „Ihr Bruder scheint sich nichtamüsiert zu haben. Er versteht wohl nicht genug französisch." Erhatte nicht ganz so unrecht, wie es wörtlich genommen, scheinenkönnte. Ich hatte kein Verständnis dafür, wie ein Erwachsenersich stundenlang an solchen mageren Späßen erfreuen kann. Manmuß dazu die innere, ich möchte sagen, kindliche Heiterkeit desfranzösischen Temperamentes mitbringen, die sich an der kleinen,mit politischer Medisanee und mit mehr als schlüpfrigen Sexuali-täten gewürzten Komik erfreut uud ein besondres Vergnügen ander raschen Auffassung verdeckter Anspielungen empfindet.
Die Bänkelsängerin Theresa, welche unter dem zweiten Kaiser-tum mit hauptsächlich zotigen Liedern ihr Glück machte und be-kanntlich ihre Muse auch in die Tnilerien einführte, ihre Nach-folgerin mit einer neuen Variante, Ivette Guilbert, sind dankdem Echo, welches Paris allen feinen Unterhaltungskünsten ver-schafft, weltberühmt geworden.
Unter Napoleon III. kamen in demselben Genre die krsrssI^onnst auf, ein aus den baskischen Pyrenäen stammendesZwillingspaar, welches besonders die Nadaudschen Lieder vortrugund auch bei Hofe wohl gelitten war. Ich habe sie nie gesehen.