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Anknüpfungspunkt die Individualitäten gegenseitig ernstere undtiefere Beziehungspunkte zwischen sich entdeckten. So erging esmir mit Ubaldiuo Peruzzi, dem italienischen Staatsmann, der ander Schaffung des Königreichs einen so bedeutenden Anteil hatte,und der vor etlichen Jahren, von seinem Vaterland allgemein be-trauert und in seinem Andenken geehrt, gestorben ist.
Als es sich nach dem italienischen Feldzug darum handelte,die Einverleibung Toskana's und damit die Grundlage für denAufbau des italienischen Königreichs bei Napoleon III. durch-zusetzen, wurde er als Unterhändler nach Paris gesandt und setzteauch seine Sache durch. Er hatte Empfehlungen an unserGeschäftshaus, und meine Sympathie für seine Sache brachteuns bald einander nahe. Seine ihn begleitende Frau, die inItalien vielbekannte Donna Emilia, welche sich mit seinenpolitischen Aufgaben identifizierte, eine impulsive und unglaublichregsame Natur, trug das ihrige dazu bei, unsere wechselseitigenBeziehungen zn fördern nnd von jener Zeit an blieb ich beiden,ihm bis zu seinem Tod, ihr bis auf den heutigen Tag, wo sieerblindet auf ihrem Gut bei Florenz lebt, aber immer noch fleißigüber alle öffentlichen Angelegenheiten korrespondiert, verbunden.Als ich im Jahre 1872 zum ersten- und letztenmale in meinemLeben ganz Italien bereiste, um es kennen zu lernen, leistete siemir die unschätzbarsten Dienste.
Mich interessierten immer und überall die Menschen mehrals die Dinge. Ich habe mich nie mit Anempfinden von Kunst-genüssen genarrt, für die mir die technischen Voraussetzungenfehlten und an den schönen Künsten nnr so viel Freude gehabt,wie ein Mensch mit gesundem Sinn und nach einiger Belehrungaus Leben und Lernen natürlicherweise empfinden kann. Amschwersten wird ein mehreres in Sachen der Skulptur und Archi-tektur. Reist man in Italien , so wird die Versuchung, über diesenatürliche Grenze hinauszugehen, noch besonders zurückgedrängtdurch die Scharen, besonders Deutscher und Engländer, die allemit prästabilierter Schwärmerei ihre Kataloge zu absolvierenkommen.
Vielmehr als die Kirchen und Paläste interessierten mich dieMänner, welche mit der Schaffung des neuen italienischen Ein-