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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Paris .

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geschäftliche Weltgetriebe, so auch in das intellektuelle und sozialeGetriebe des Mittelpunktes französischen Lebens.

Ehe ich auf dieses etwas uäher eingehe, sei noch der weitereVerlauf der litterarisch-politischen Thätigkeit zn Ende geschildert,die sich au die mit denDemokratischen Studien" wieder auf-genommene anschloß. Mit dem Erscheinen des zweiten Bandeshatten diese, wie oben erzählt, ihr Ende erreicht. Den letztenAusschlag hierzu hatte die Rückkehr H. B. Oppenheims nach Berlin gegeben, welcher, mit Recht über Walesrodes Leitung sehr un-willig, beschloß, eiu eigenes Organ ins Leben zn rufen. Raschdem Sein und dem Temperament nach, genan das Gegenteil desbedächtigen und mühseligen Walesrode, brachte er in kurzer Zeitdie Herausgabe der nenen MonatschriftDeutsche Jahrbücherfür Politik uud Litteratur" zu Werke.

Ihr Name besagte schon, daß sie in Geistesverwandtschaft znder von Arnold Nnge mit gegründeten, anfangs der vierzigerJahre unterdrückten Zeitschrift stehen sollten. Sie wurden beiGnttentag in Berlin verlegt, bei dem damals in den vorderstenReihen der preußischen Fortschrittspartei stehenden Franz Dnnckergedrnckt. Das erste Monatsheft wurde im September 1861 aus-gegeben. Der erste Artikel iu demselben war von Hans Viktorvon Unruh, dem Präsidenten des preußischen Hauses der Abge-ordneten. Er behandelte die Frage:Was hat Prenßen zunächstin der deutschen Sache zu thun?" Oppenheim verlangte natürlichauch meine Mitarbeit und bat mich, ihm für das erste Heftetwas über die Gold- und Silberfrage zn schreiben. Ich hattebis dahin mich nicht schriftstellerisch mit der Sache beschäftigt,sondern nur sie zu meiner eigenen Belehrung studiert.

Von dem Währnngsstreit, wie er sich seit den siebziger Jahrenentwickelt hat, war anch noch gar nicht die Rede. An der Tages-ordnung war vielmehr die Frage, ob nicht die seit dem Anfangder fünfziger Jahre so gewaltig vermehrte Goldprodnktion Kali-forniens und Australiens den Preis dieses Metalles empfindlichHerabdrücken und den des Silbers in die Höhe treiben würde,genau also das Gegenteil dessen, was heutiges Tags zur Dis-kussion steht. Der berühmte französische Nationalökonom MichelChevalier hatte damals die Welt mit der Furcht vor der Über-