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Erinnerungen / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Paris .

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Im kleinen Stil war mein Freund Ulbach ans diesem Holzgeschnitzt, nnd so viele habe ich gekannt, die ihm darin glichen!Eine Jahreseinnahme von füufuudzwanzigtanfend Franken, die ererzielte, konnte für seinen bescheidenen Haushalt, Frau und einkleines Kind, reichlich genügen. Aber auch er kam nicht ans denVerlegeuheiteu heraus, bald ließ er sich mit diesem, bald mit jenemein, leistete Bürgschaft oder indossierte Wechsel. Schließlich kam esgegen Ende des Kaisertums einmal zu einem Krach; seine Bibliothekwurde auf dem Zwaugsweg versteigert und von Freunden für ihnwieder eingekauft. Unter der Republik hatte er nach der allgemeinenGepflogenheit als alter eifriger Anhänger der triumphierendenPartei Anspruch auf eine gute Pfründe. Da er aber ein gut-mütiger und anspruchsloser Mann war, so fand man ihn mitKleinigkeiten ab. Er ward Bibliothekar in der Bibliothek desArsenals und bekam die Konzession znr Aufstellung eines Pano-ramas, die er gegen eine nicht unbeträchtliche Summe natürlichan einen Dritten verkaufte. Ich glaube, dies Panorama, diepatriotische Erinnerung an den Sturm auf die Bastille vom14. Juli 1789 vorstellend, besteht uoch heute.

Er war ein liebenswürdiger, jovialer, leichtlebiger Mann, demich bis zu seinem Ende in guter Freundschaft verbunden blieb.Auch war er einer von denen, die nicht bloß mir gegenüber, son-dern überhaupt durch die Kriegsereignisse in seinen Ansichten garnicht umgestimmt wurden.

Das erstemal, als ich 1873 im Frühjahr wieder auf einigeTage in Paris war, snchte er jede Gelegenheit, sich mit mir öffent-lich zu zeigen, fuhr an einem belebten Sonntag im offnen Wagenmit mir spazieren. Es gab nicht viele, welche das damals ge-wagt hätten. Denn natürlich, wie ich später von deutscher Seiteals Gönner Frankreichs behandelt wurde, war ich damals inParis als Deutscher überhaupt nnd gar als einer, der sich derUndankbarkeit oder gar des Verrats an Frankreich schuldig gemachthatte, verfehmt. Außer einigen kalten Blicken ehemaliger Bekannterist mir übrigens, wie gesagt, nie etwas begegnet. Am grimmigstenstierten mich einige französierte Deutsche der Kants tZnanos an.

Ulbachs Hans, obwohl anf sehr bescheidenem Fnße geführt,war doch dnrch die lebenslustige und bewegliche Natur des Haus-