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des Patienten vertragen wird. Ein solcher Arzt würde wahrschein-lich sein Heilmittel in kleinen Gaben reichen und sorgfältig dessenWirkung beobachten. Ich kann nicht umhin, zu glauben, dass, wennwir auf einmal die Arbeitsstunden von zwölf auf zehn herabsetzen,wir zu viel wagen. Die Aenderung ist gross und muss vorsichtigund allmälig gemacht werden. Angenommen, es fände ein unmittel-bares Sinken der Löhne statt, was nicht unmöglich wäre. Könnteda nicht eine heftige Reaction eintreten? Könnte das Publicumnicht die Vorstellung fassen, unsre Gesetzgebung wäre im Princip-irrig gewesen, wenn auch in Wahrheit unser Irrthum nicht ein Irrthumim Princip,sondern lediglich im Grade gewesen wäre ? Könnte nicht das.Parlament verleitet werden, seine Maassregeln zurückzunehmen? Könn-ten wir es nicht schwierig finden, auch nur die gegenwärtige Be-schränkung aufrechtzuhalten? Das weiseste Verfahren würde, nachmeiner Ansicht, sein, die Arbeitsstunden von zwölf auf elf herabzusetzen,die Wirkung dieses Versuches zu beobachten, und wenn, wie ich hoffeund glaube, das Ergebniss befriedigend sein sollte, dann einoweitere Reduction von elf auf zehn vorzunehmen. Das ist jedocheine Frage, welche sich besser erwägen lässt, wenn wir im Comite sind.
Ein Wort, Sir, bevor ich mich niedersetze, zur Erwiederungauf meinen edlen Freund in meiner Nähe*). Er scheint zu glauben,dass die Zeit für diese Bill nicht gut gewählt sei. Ich gestehe,dass ich nicht mit ihm übereinstimmen kann. Wir brachten amvorigen Montag eine Bill an die Schranke der Lords hinauf, welchedie verhassteste und verderblichste Beschränkung beseitigen wird,welche jemals dem Handel aufgelegt worden. Nichts kann passen-der sein, als in derselben Woche ein Heilmittel gegen ein grossesUebel von einer direct entgegengesetzten Art anzuwenden. Als.Gesetzgeber haben wir zwei grosse Fehler zu bekennen und zu ver-bessern. Wir haben etwas gethan, was wir nicht hätten thun sollen.Wir haben etwas ungethan gelassen, was wir hätten thun sollen..Wir haben etwas geregelt, was wir sich selbst hätten regeln lassensollen. Wir haben etwas ungeregelt gelassen, was wir zu regelnverbunden waren. Wir haben einigen Industriezweigen einen Schutzgewährt, der sich als ihr Gift erwiesen hat. Wir haben der Ge-sundheit des Volks und der Moralität des Volks den Schutz vor-enthalten, der ihnen gebührt. Wir haben den Arbeiter verhindert,,sein Brod zu kaufen, wo er es am wohlfeilsten bekommen konnte;aber wir haben ihn nicht verhindert, seinen Körper und Geist durch,vorzeitige und maasslose Arbeit zu ruiniren. Ich hoffe, dass wirdas Ende sowohl von einem fehlerhaften Systeme der Einmischung,als von einem fehlerhaften Systeme der Nichteinmischung gesehenhaben, und dass unsre ärmeren Landsleute nicht länger Ursachehaben werden, ihre Leiden sei es unsrer Einmischung oder unsrerVernachlässigung zuzuschreiben.
) Lord Morpeth.