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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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2 1. Kapitel: Beginn des Nachdruckszeitalters u. die Reichschen Reformbcstrebungen.

18. Jahrhunderts brachte die neuzeitliche Litteratur, den neuzeitlichenBuchhandel; den neuzeitlichen Schriftsteller, den neuzeitlichen Buchhändler;das neuzeitliche Publikum. Die gewaltig in die Breite gehende, zuneuen Höhen stürmende und in neue Tiefen bohrende EntWickelung dieserZeitalter geht in einer Welt der Bewußtheit, der Kritik, der Reflexion,in der Welt eines Organisations- und Verbesserungstriebes vor sich, durchdie sie sich von den vorangegangenen aufs schärfste unterscheiden. DasBewußtsein, hat man gesagt, ist ein geistiges Feuer, das sich ebensowie das materielle aus der Reibung entzündet; und je stärker dieseReibung, desto kräftiger und Heller jenes Feuer. Kampf und Ringenin der That damals auf allen Gebieten! Die Verleger kämpfen umdie Autoren, die Autoren um die Verleger und gegen die Verleger;die Buchhändler kämpfen um die Geschäftsgcbrüuche. Und wieder aufganz andern: Gebiete: nach langem Stillstande beginnt der Erfinder-geist ein neues Ringen mit der Materie, um neue Gewalt über sieauch in der buchgewerblichen Technik zu gewinnen. Und nicht nurüber Wesen und Grundsätze des Buches und des Handels mit Büchern,nicht nur über die Grundsätze des Urheber- und Verlagsrechts, sondernselbst über die Ausstattung des Buches entbrannte damals der Kampfder Meinungen.

In breiter Dehnung streckt sich neben diesen Kämpfen die Weltdes geruhigen Thuns und Treibens, der alltäglichen Arbeit in ihremsteten und gleichmäßigen Schreiten und Fortschreiten. Mit der Geschichtevon Kampf und Streit aber muß auch unser Buch beginnen, mit derGeschichte eines Kampfes, der mitten in die treibenden Kräfte der buch-händlerischen Geschichte dieses neuen Zeitalters hineinführt. Es ist derKampf um den Nachdruck.

Wir treten in das Nachdruckszeitalter der deutschen Buchhandcls-geschichtc ein. Nicht unvermittelt. DieCharlatanerie der Buchhand-lung" (1732) atmet schon vollständig die Luft des eigentlichen Nach-druckszeitaltcrs. Sie führt sieben Rechtfertigungsgründc der Nach-drucker an: der Nachdruck ist weder im ^us (Zivile noch ^us Launnieuiuverboten; sein Verbot würde eine buchhändlcrische Monopolisierung be-deuten; die Existenz der Privilegien beweist, daß der Nachdruck an sichkein Unrecht ist; der Nachdruck verbilligt die Bücher; er dient demLonum publicum: geistige Nahrung ist xubliei M'is; der Nachdruck