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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Gründe für und wider den Nachdruck in derCharlatanerie der Buchhandlung". Z

entspricht dein Herkommen. Der Verfasser derCharlatancric" wider-legt alle diese Gründe. Gleichviel, ob ausdrückliche Gesetze gegen denNachdruck bestehen oder nicht: das Verlagsrecht stießt aus dem Eigen-tumsrechte des Autors und dessen Eession an den Verleger; das Privilegschafft nicht das Verlagsrecht, sondern hat nur die Bedeutung, den Be-trüger durch Androhung der Konfiskation zu warnen; wenn der Nach-druck die Bücher verbilligt, so bleibt er trotzdem nicht nur erstens un-recht, sondern auch zweitens schädlich; er dient in Wirklichkeit nicht demLonnrn pndlieum, weil er der soliden Gelehrsamkeit schadet und dieGelehrten abschreckt, gute Bücher zu veröffentlichen; gegenüber der Be-hauptung des Nachdruckers: er reguliere übermäßige Preise, ist erstenszu fragen, ob der Nachdrucker die oft nur schwer zu beurteilenden Kostendes Originalverlcgers kennt und dargelegt hat, zweitens, daß der Nach-druck, auch gesetzt daß es der Fall ist, trotzdem ein unrechtmäßiges Mittelbleibt; gegenüber der Begründung des Nachdrucks durch Changcverweige-rung und unleidlichen Rabatt gilt: daß der Privatmann nicht zur Strafeberechtigt ist. Es sind die Gründe und Gegengründe, wie sie einigeJahrzehnte darauf in einer ganzen Litteratur von Streitschriften anfserschöpfendste behandelt werden sollten. DieCharlatanerie" spricht be-reits von einer ganzen Sekte vonHeiligfressern", d. h. von Nachdruckern,die den Nachdruck schon fast wie eine Art Gewerbe, ausgeübt zur EhreGottes und der Armen, ansahen:die Züllichauer, Sign. Marchc fGörlitz^,die Berlcburgcr, Schiffbeckcr, Wernigcroder, Büdingcr u. s. w."; sie istvon Bewuudcrung darüber, als über eine vom Üblichen abweichendeauffallende Erscheinung, erfüllt, daß die Buchhandlung des HallischenWaisenhauses bisher vom Nachdruck so sehr verschont geblieben sei underklärt es durch dessenleidliche Preise". Besonders bemerkenswert aberist die Äußerung, die auch dieser gegen den Nachdruck so entschieden ein-genommene Verfasser thut:Wenn nun ein Hartleibiger seinen Wanstaufblaset, kleine Buchhändler fteim Ehcmgegeschäft auf der Mcssc^ kaumüber Achsel ansieht, auch keinen leidlichen Rabbat gicbt; wäre es nichtgut, wenn ein solcher aufgeblasener Geitz durch das Nachdrucken gc-züchtiget würde?" ^

Zwei Persönlichkeiten haben die Gegensätze des Nachdruckszcitalterszunächst in typischer Weise verkörpert: Johann Thomas von Trattuerin Wien und Philipp Erasmus Reich in Leipzig .