Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
6
Einzelbild herunterladen
 

6 1. Kapitel: Beginn des Nachdruckszeitalters n. die Reichschen Reforinbcstrcbnngcn.

seit 1745 war, zu gewinnen, eine Audienz bei Maria Theresia zu er-halten (1750) und bei ihr den günstigsten Eindruck zu hinterlassen. ImJahre 1751 unterbreitete der mit dem energischsten und die Umständeaufs glücklichste beurteilenden Spckulationsgciste, mit dem gewandtesten,sichersten und einnehmendsten Auftreten, mit großem Organisations-talente und dem unermüdlichsten Fleiße ausgerüstete Mann der Kaiserinseine Borschläge zur Hebung des österreichischen Buchhandels, undMaria Theresia sagte ihm nicht nur die nachdrücklichste Unterstützungzu, sondern betraute ihn geradezu mit der Durchführung des dem litte-rarischen Jndustrialismus entsprechenden buchgcwerblichen Programms:in den K. K. Erblanden, besonders in Wien und andern größcrn Städteneine notwendige Buchdruckerey, Schriftschneiderey und Schriftgicscrei,dann eine Kupferstecher- und Druckerey, Buchbinderei und deßen Hand-lung aufzurichten, damit eines Theils diese Wißenschaften cmporgebracht,änderten Theils aber von besagten Officium hingegen das erwachsendeGeld im Lande behalten werden möge." ^ Trattner hat sich seiner Auf-gabe mit voller Energie und Hingabe gewidmet, von der Gunst desHofes unterstützt. 1751 wurde er privilegierter Hofbuchhändler, nachdem Tode van Ghelens 1754 Hofbuchdrucker, unter gleichzeitiger Privi-legierung aus die Hosarbeiten. 1752 erhielt er die Erlaubnis, einenBuchladcn zu eröffnen und das Privativprivilcg auf Verlag, Druck undHandel von und mit allenzur Beförderung der Studien erforderlichen"Büchern. Im Jahre 1752 wurde die Trattnerschc Schriftgießerei be-gründet, für alle erbländischen Provinzen privilegiert und ex tuuäoeamerlüi auf sechs Jahre mit je 500 Gulden unterstützt. 1761 wurdeauf Trattners Ansuchen ein Verbot der Einfuhr aller fremden Lettern er durfte die seinigen um den nämlichen Preis verkaufen, wiesie von auswärts mit Zurechnung von Maut und Frachtgebühr zustehen gekommen wären, und der Begründung jeder weitern Schrift-gießerei erlassen; sein Versuch, die neben der seinigcn bestehenden Gieße-reien van Ghelens und Kaliwodas mit der seinen zuvereinigen",scheiterte allerdings. Sein Verlag wurde finanziell unterstützt; im Jahre1755 erhielt er dazu aus der Kommcrzialkasse einen Vorschuß von15000 Gulden. Mit ausschließenden Privilegien der verschiedensten Art(auf Kalender, alle in den Erblonden erforderlichen Missale und Breviere,die Staatsschriften, die Schulbücher der untern sechs Klassen u. dergl.)