Thomas von Trattncr.
7
wurde er überschüttet; es war eine Übcrfüttcrung eines einzigen Mannesmit persönlichen Privilegien, die Trattner nach Kräften ausbeutete,die deshalb um so mehr den Widerstand der größern Wiener Buch-drucker und auch weiterer Kreise hervorrief, und wegen der im Jahre1759 van Swieten der Kaiserin selbst Vorstellungen machte. „Dasverbittert die Gemüther, welche sich außer den vorgeschriebenen Taxennoch genothigt sehen, der Habsucht eines Buchhändlers zn fröhncn, derin einer harten Zeit in einer Equipage daherrollt, Lakaien hält u. s. w.";die Hof-Kanzlei habe Trattncr zu verhindern, daß er das Publicum„auf eine so unverschämte Weise schinde". Die Kaiserin ordnete „nachdiese wohl und instructive Note" die von Swieten gewünschte Zuratc-ziehung der Bücherkommission bei jeder künftigen Privilegertcilung anBuchführer oder Drucker an. Trotzdem hat Trattner auch nachher nochzahlreiche Privilegien erhalten. Im Jahre 1755 besaß er fünfzehnPressen und ciu Personal von über hundert Leuten (davon in derGießerei fünfzehn). Im Jahre 1756 besuchten die drei Erzherzöge dieOffizin; der Kronprinz, der spätere Joseph II. , erlernte unter seinerLeitung die Buchdruckerei. Im Jahre 1763 besichtigte Kaiser Franz selbst die sämtlichen Teile der Trattnerschen Offizin, die aus Buch-druckerei, Buchbinderei, Schriftgießerei, Schriftschnciderei, Kupferstechernund Kupfcrdruckcrci bestand — eine Ausbildung buchgewerblichcn Betriebs,wie sie dem allgemeinen Stande ihrer Zeit weit vorauseilten. Und schöneWerke gingen daraus hervor: so des Grafen Corononi lateinische Werkeüber die Grafen von Görz und die Genealogie des Hauses Habsburg -Lothringcn (1752 fg.), die erste schöne, jetzt seltene Ausgabe der I^dula?öutinZ6i'mng, in der wirklichen Größe des Originals (von Scheyb; 1753,Fol.), Granellis der Kaiserin gewidmete 'loxooi'Hpdmö Ksrumume^.ustrmoae (1759), die Folioausgabe von Kollars ^.imlseta Nonn-lukuwl'uui omm8 asvi Vinclodonsnsm (1761). Auf Trattners großemBuchdruckerzeichen erhoben sich zwei Säulen mit der Kaiser- und Königs-krone und eine Presse, und alle drei sind durch ein Sprnchband mit derAufschrift! ,,Hi8 Inixa Loluumis" (auf diesen Säulen ruhend) verbunden.Sein mittleres und kleines Buchdruckcrzcichcn hat ebenfalls die genanntenSäulen und alle Utensilien seiner alle buchgewerblichcn Zweige um-fassenden Offizin und die Unterschrift: „I^^dors et. ?avvi-e"; darübereinen auffliegenden Adler mit dem Spruchbande: „^Itins".