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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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Phil. Erasmus Reich als Typus des Nettohäudlers. Der Nachdruck in der Schweiz . 9

jährlicher) Kredit: die Grundsätze derComptantrcchnung". Dabei ver-stand er die besten Autoren an sich zu fesseln, saß er in Leipzig , demlittcrarisch und dein geschäftlich bevorzugtesten Orte Deutschlands . Trattnerbewies die Notwendigkeit seines Nachdrucks in der Mitte des Jahres1765 aus drei Punkten: den übermäßigen Preisen, dem Bargeschäft undder Leipziger Frachtfreiheit;als wodurch der ausländische Handelsmannschnurstracks in Verderben rennen muß".?

Der Mensch macht weder die Dinge noch sich selbst; aber das istsein eigen, was er mit den ihm gegebenen Anlagen aus den ihm ge-gebenen Dingen macht. Das Leben beider, des Österreichers und desSachsen, war von dem gleichen Grundsatze größtmöglicher buchgcwcrb-lichcr AuSnutzuug der Verhältnisse geleitet. Den Wiener schufen dieVerhältnisse zum größten Nachdrucker, den Leipziger zum größten Nach-drucksbckämpfer seiner Zeit. Sind diese beiden größten, rücksichtslosestenund großzügigsten Ausnützer ihrer Zeit, weil Österreich und Sachsen dieGebiete der schärfsten littcrarischcn Gegensätze waren, die klassischen Ver-treter der buchhündlcrischen Gegensätze im Zeitalter Friedrichs des Großenund Maria Theresias : so war es doch nicht der Gegensatz zum öster-reichischen, sondern der zum schweizerischen ^ Nachdruck und dessen Unter-stützung durch Frankfurt , aus dem sich Reichs Kampf gegen den Nach-druck entwickelte. Mit dem Jahre 1720 etwa beginnen in der Schweiz die Vorstadien des Nachdruckszcitaltcrs; an seiner Schwelle steht derBaseler Buchdrucker Johann Brandmüllcr (16781741). Das Jahr1724 brachte den ersten großen eidgenössisch-rcichsdcutschen Konflikt,Brandmüllers Nachdruck des bei Thomas Fritsch in Leipzig mit kur-sächsischcm und kaiserlichem Privileg erschienenen Buddäusschen Allgemeinenhistorischen Lexikons; Brandmüllers Baseler und Züricher Privileg wurdetrotz Fritschs Protest und Kursachsens Intervention aufrecht crhalteu undspäter auch erneuert. Mit den vierziger Jahren hebt das zweite Stadiuman: Norddcutschland beginnt jetzt seinerseits schweizerische Privilegien aus^zubringen. Es sind im ganzen nur wenige Gesuche, in dem Vicrtel-jahrhundert von 1740 bis 1765 nur sechs, ausgehend von Leipzig (1),Halle (3), Berlin (1) und Hamburg (1). Sie sind sämtlich bewilligtworden, freilich nicht ohne zum Teil heftigsten Widerstand von Schaff-hausen (Benedikt Hurtet und Biel (Joh. Christoph Heilmann), auch von