Beginn der Nachdrucksthätigkeit Trattners. Joachim Pauli. 19
noch von dem ausgehenden 18. Jahrhundert sagen konnte: Österreich habe damals für den deutschen Buchhandel „noch nicht existiert".
Im Laufe der fünfziger Jahre schon war Trattner auf der LeipzigerMesse aufgetaucht. Die Leipziger sollen ihm erklärt haben: man gäbeeinem wie allen, 16 "/g Rabatt. Trattncr, heißt es, habe ihnen vor-gehalten, er verliere allein 17"/„ an Transportkosten, und deshalb um„allerwenigstens" 33^/z ersucht. „Als ich aber durch diese Vorstel-lungen ebenso wenig ausrichtete, vielmehr immerhin tauben Ohrenpredigte; so sagte ich ihnen gerade heraus: sie würden mich in dieNotwendigkeit setzen, ihnen diejenigen Verlagsartikel, woran mir ammeisten gelegen wäre, mit welchen ich den meisten Debit machen könnte,und die sie, wegen des starken Abgangs, ohnedem am wohlfeilsten gebenkönnten, ganz gewiß nachzudrucken."^ In den Meßkatalogen tritt derName Trattner zuerst im Jahre 1753 mit 3 Artikeln, dann 1756 und1757 mit 17 und 33, in den Jahren 1760 bis 1763 mit 28, 24 und8 Artikeln auf. Nun ein erstaunliches Ansteigen: das Jahr 1764 bringt42, das Jahr 1765 76 Artikel. Die Buchhandlung hatte Filialen inInnsbruck, Linz, Prag , Trieft, Pest und Agram. „Gegen den nun vonKaiserl. Maj. IZaronisirtem Buchhändler Iratwsr", schrieb nun Reichim November 1764, „schüzet kein kiivileZium mehr! Von den Gelderndes Hofes unterstüzet, überschwemmt er ganz Deutschland und scheuetsich nicht, in unßerem eigenen Lande den Meister zu spielen . . . EinStrohm, der alles überschwemmt."
Und wie im Süden, so wuchs die Gefahr jetzt auch im Norden.Wie dort, so erhob sich jetzt auch hier, in der „Nachbarschaft", zum erstenmal der Nachdruck offen, ja offiziell und gestützt auf die nämlichenin dem Übermute der Leipziger Nettohändlcr wurzelnden Gründe,auf denen auch Trattner fußte. Auf die von ihm geltend gemachtenGründe hin: die Leipziger Verleger überteuerten Gellerts Schriftenund zögen viel Geld aus des Königs Landen, erhielt Joachim Pauli in Berlin gegen das Versprechen, Gellerts Schriften um die Hälftedes sächsischen Preises, für 1 Thaler 17 gr. zu verkaufen, unterm9. Januar 1765 ein preußisches Privativprivileg auf Gellerts Schriften,auf die Reich und Caspar Fritsch (Wendler hatte sich vom Buchhandelzurückgezogen und die bei ihm erschienenen Gellertschen Werke anFritsch verkauft) kursächsisch, kaiserlich und, unterm 30. Januar 1762,