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erklärte, die Frankfurter Bürger hatten von Joseph II. das Privileg, vorkeinem andern Gerichte als dem Frankfurter Magistrate erscheinen zubrauchen und ging unter Erlegung von 50 Reichsthalern von dannen. DerKommcrzienrat Hechtel, der „fleißige Nachdrucker", wie ihn der „Censor"nennt, sollte beschworen, keinen Nachdruck auf die Leipziger Messe ge-bracht zu haben. „Weil er aber schon vierzehn Tage vor der Messe inLeipzig gewesen war, mithin sich in der Zahlwoche längstens expedirthatte; so reisete er auch, ohne ferneren Aufenthalt, und sich um seinenProzeß zu bekümmern, wieder von Leipzig ab." Aber schon das Un-behagen, das die Nachdruckerwelt ergriff, als sie sah, was ihrer in Leipzig harrte, war Erfolg genug, und dieses Unbehagen war groß. Allein konntedie Erschwerung des Nachdrucksvertriebs über Leipzig den Reichsbuch-handel zwingen, auf den Nachdruck zu verzichten? — Das Mandatwirkte in einer ganz andern Richtung; eine Tendenz unterstützend undbefördernd, die schon seit lange im Stillen im Gange war: die Trennungdes Reichsbuchhandels von Leipzig .
Perthes schrieb im Jahre 1835, daß noch in den achtziger Jahrendes 18. Jahrhunderts im Westen Frankfurt, im Süden Nürnberg mitAusnahme von Tübingen und Zürich die letzten Grenzorte gewesen seien,die mit dem „Verein am Stapelplatz Leipzig " in Verbindung gestandenhätten. Ist das anch übertrieben — unter den von Pütter angegebenenStädten z. B., deren Büchcrverkehr sich auf die Leipziger Messe kon-zentrierte, befinden sich Augsburg, Ulm, Regensburg, Stuttgart, Mann-heim, Karlsruhe, Hcilbronn, Lindau, Nördlingen , fünf Schweizerstädte,Straßburg —, so bezeugen doch auch Nachrichten, die noch aus dem18. Jahrhundert selbst stammen, daß nach dem Abschied der Norddeutschenvon der Frankfurter Messe zahlreiche RcichSbuchhündler dem allgemeinenZuge nach Leipzig weder folgen „konnten" noch „wollten". ^ Die Reisewar ihnen zu weit und zu kostspielig; die immer dichter werdende nord-deutsche Atmosphäre des Bargeschäfts machte sie kopfscheu. Die Frank-furter Messe besuchte man auch nicht. Im Jahre 1776 bestand derFrankfurter Meßbcsuch seitens auswärtiger Angehörigen des Buchgewerbesaus drei süddeutschen Papierfabrikanten und -Händlern (aus Brückenau imFuldischen, Basel und Augsburg ), einem Offcnbacher Musikalienhändler,einem Offenbacher Kalenderhündler, zwei Augsburger Bilder- und Land-kartenhändlern «wovon der eine zugleich Kurzwarenhändlcr) und folgenden
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