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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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L.Kapitel: Sturm und Drang : der Nachdruck.

entzogen". 6 Publizierung des Mandats und Ankündigung der reichs-buchhändlerischen Nachdruckspartei: mit der Leipziger Messe zu brechenund den Nachdruckskampf zu eröffnen, folgten sich denn auch wie Blitzund Schlag. Die Verhandlung zwischen Varrentrapp und der Bücher-kommission auf der Jubilatemesse 1774 endete damit, daß VarrentrappeorgW iuäieio erklärte: er werde nächstens noch mehr Nachdrucke ver-anstalten und zwar gerade von Leipziger Artikeln, die Leipziger Messe aber, wenn sich hier nichts ändere, nicht mehr besuchen.

Er stand mit der letzten Drohung nicht allein. Von den Leipzigernwar keine Sinnesänderung zu erwarten. Die Büchcrkommission wiesollte man von ihr Hilfe erwarten, da es offenkundig war, daß sie ingeheimer Verbindung mit Reichen und einigen andern Buchhändlernin und außer Leipzig " stand?! Ihr aber das Verlagsrecht jedes Artikelszudociren" und für jeden einen Reichsthaler und vier Groschen zu er-legen, dazu hatten die Rcichsbuchhändler ebenso wenig Neigung, als jenehäufigen Prozeduren" länger zu ertragen, weil ihnen, so sagt jenesgegen Bel und Reich gerichtete Pasquill (Der Censor") selbst,darangelegen war, Nachdrucke um billigere Preise zu kaufen oder einzutauschen,als sie die Originalwerke erlangen und gebrauchen konnten".

Den Leipziger Büchcrkommissar begannen Gedanken zu umschwirren,die wenigstens entfernt denen glichen, die damals auf den kaiserlichen inFrankfurt hereingestürmt waren. In der Michaelismesse des Jahres1774 bat er den Hofrat Franz Joseph Eckebrccht aus Heilbronn zu sich die Buchhandlung ist im Jahre 1688 von Joh. Chrn. Krchl gegründetworden, dem Straub und dann Eckebrccht folgte, und trägt heute dieFirma C. F. Schmidt" und befragte ihn über die Gründe der vielenim Reiche veranstalteten Nachdrucke, besonders Leipziger Verlagsartikel.Eckebrecht gab als Ursache diefast durchgehens hohen Bücherpreisc inLeipzig " an. Sollte der Buchhändler in Schwaben, so setzte er aus-einander, bei dem Verkaufe des Leipziger Verlags bestehen können, somüßten die Leipziger selbst die gemäßigten und billigen Preise erst um25"/<, herabsetzen, wenn der Schwabe al xg,ri sein solle, denn so hochkäme ihm der Transport zu stehen; und dann komme erst der Buch-händlerrabatt in Frage. Daß die Leipziger zu einer derartigen Verstän-digung je bereit sein würden, solchen Illusionen gebe man sich indessennicht mehr hin. Man habe vielmehr, so erklärte der Schwabe dem er-