Die schwäbische Defensionsschrift.
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„klarer Profit". Ihre Neuauflagen beweisen es. Wenn das Honorarverschwindend klein oder gar gleich Null ist, fällt es ihnen nicht ein, denPreis zu erniedrigen. Wohl aber haben sie häufig mit jeder Auflageden Preis erhöht.
„Mithin treiben diese Ausländer einen Handel, der offenbar zudem wucherlichcn, folglich auch zu den verbotenen und strafbaren gehört."Wozu noch, wie ein kleiner, niedlicher Schnörkel an dicken und kräftigenBuchstaben, der Zusatz: „Zumal da sie den Profit für sich allein behalten."
Was aber die Folge für den Buchhandel sein wird, ist offenbar:eine „gewaltige Spaltung".
Mit eklem Finger blättert der Kontanthändler in den Bogen, dieder reichsbuchhändlerische Biedermann ihm treuherzig darbietet und er-klärt sie für unbrauchbar. Er hat Recht! Wer die Mcßkataloge seitAnfang der siebziger Jahre durchliest, wird schnell gewahr werden, wiesich bei den Kontanthändlern in Ansehung der Menge und Wichtigkeitihrer Artikel überwiegende Kräfte, bei den meisten übrigen aber eine all-mähliche Abzehrung, zum mindesten eine gewisse Kraftlosigkeit, auf jedenFall ein großer Abstand zeigt. Die Kontanthändler haben den übrigenBuchhandel so heruntergebracht. Sie haben gut verlegen; die genanntenzwanzig Handlungen, eine in die andere gerechnet, beziehen jede von denübrigen Handlungen einen jährlichen Profit von wenigstens 6000 Gulden.120000 Gulden jährlich entreißen diese Geldsauger mit List und Ge-walt dem übrigen Buchhandel. Was wunder, daß dabei die meistengezwungen sind, sich mit „Parthien und Skartcken" zu behclfen?
Mit den Buchhändlern leidet unter dem Kontanthcmdcl das Publi-kum, die Litteratur. Die Kontanthandlungen sind „höchst schädlicheManufakturen und wirkliche Vampyren, die ihre Hanoluugsgenosscnaussaugen und die Gelehrten in eine solche ungeheure Kontribution setzen,die am Ende einen großen Verfall der Litteratur nach sich ziehen muß".
Die Schwäbische Defensionsschrift, verfaßt im Jahre 1779, istdie erste Schrift von reichsbuchhändlcrischer Seite, die den Gegensatzzwischen den norddeutschen Ncttohändlcrn und den auf der Stufe desChangeverkchrs, unter sich des Konditionschangeverkehrs stehenden reichs-buchhändlerischen Sortimenterverlegern ausführlich darlegt. Bald mehrtesich diese Kleinlitteratur, schwoll an zu Ende der achtziger Jahre undin den neunziger Jahren, häufte sich auf um die Wende des Jahrhunderts,