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70 2. Kapitel: Sturm und Drang : der Nachdruck.
zu setzen. Reich gab nach. Im Juli sandten er, Juuius, Dyck und Crusiuseinige Zentner Bücher nach Frankfurt. Reichs Frankfurter Gegnerführten dagegen bei der Bücherkommission Beschwerde. Ohne Erfolg; imAugust eröffnete Keßler (Reichs ehemaliger Frankfurter Kommissionär)das Gewölbe. Die Frankfurter intriguierten mündlich und schriftlichnach Kräften dagegen und wiesen jede Geschäftsverbindung ab; nicht füreinen Groschen ist in Frankfurt abgesetzt worden. Da wurden in dem-selben Monat die Reichshofratskonklusa vom 7. Juli publiziert. Ebenerst hatte Scheden Reich zur Errichtung der Niederlage vermocht; nunsollte er die junge Pflanze so arg beschneiden. So wollte er denn denLeipzigern gegenüber das Gesetz umgehen und von ihnen die drei Pflicht-exemplare von unprivilegierten Büchern nicht erheben lassen. Die Frank-furter aber verlangten stürmisch, daß, was von ihnen gefordert wurde— gefordert; daß sie es nicht gaben, war ja eine andere Sache —auch von den Fremden erhoben würde. Scheden konnte sich dem nichtentziehen. Das Leipziger Unternehmen aber war, mit Reichs Worten,„nur ein kleiner Anfang zur Probe", die neuen Bücher waren durch-schnittlich nur in zwei bis drei Exemplaren vorhanden: die Abgabe derPflichtexemplare bedeutete nicht viel weniger als eine Plünderung desganzen Lagers! Einige Exemplare waren an Schwan und an Bauer inStraßburg geliefert, in Frankfurt selbst war nichts abgesetzt worden. Sokostete es Reich wahrlich keine Überwindung, „der Herren FrankfurtherEifersucht in Ansehung des intendirten Eommissions-Lagers abzuhelfen",von dem er sich ohnehin nichts mehr versprochen hatte, indem er schonim Oktober Auftrag gab, altes zurückzupacken. Die leidige Bücher-kommission in Frankfurt , schrieb Schwan, hat alles verdorben. Durchdas unpolitische Verlangen der vorgeschriebenen Freiexemplare hat sie diekaum wiedergewonnenen norddeutschen Verleger von Frankfurt für immerverscheucht.
Im Jahre 1776 erschienen Gottlieb Wilhelm Rabeners Briefe mitdem Berlagsort: „Frankfurt, Hanau und Leipzig ". Als sich Schwanin einem Schreiben an Junius vom Mai 1776 über die kritische Lagedes deutschen Buchhandels ausließ, führte er das „Nachdruckerncst" Frank-furt auf, berichtete, daß uun auch Worms ein solches zu werden scheine,und schloß: „dann noch Hanau dazu, so ist die Trennung zwischen demReich und Sachsen in Absicht der Buchhandlung unvermeidlich." Die