Hanauischc Regierung aber versandte im Jahre 1776 ein neues Cir-kular, das den schlechten Besuch des ersten Umschlags mit der Ungunstdes damaligen Termins erklärte und die künftigen Messen nach Beschlußder beteiligten Buchhändler auf den 1. August festsetzte; und die Frank-furter bedienten sich der Hanauer Messe in dem Gesuch vom 12. Juni1777 an den Kaiser um Aufhebung der drei Pflichtexemplare von un-privilcgierten Büchern als Drohung: der Erbprinz von Kassel , sagtensie hier, hätte ihnen solche Freiheiten gewährt, „daß wenn dieser BücherUmschlag zu Hanau einmal Wurzel gefaßt haben wird, die weitere Ver-legung und Wiederherstellung des Buchhandels zu Frankfurt ganz un-möglich werden mögte."^ Dann wird es von der Hanauer Messestill. Weder Leipzig noch Wien haben sie unterdrückt; sie ist in ihrereigenen Unmöglichkeit rasch dahingeschwunden.
Der Plan der Hanauer Nachdrucksmesse war gescheitert; aber —fast das ganze südliche Deutschland , kann man sagen, war eine einzigegroße Nachdruckermessc. In Österreich, Bayern, Franken, Schwaben ,der Schweiz und dem ganzen Rheingau würden, sagte man in denachtziger Jahren, mehr Nachdrucke verkauft als im übrigen DeutschlandOriginalausgaben.^
Im Reiche war der Haupthcrd des Nachdruckwesens, die Gegend,„wo die Jünger nur bey der Nacht herumschlichen" ^, Schwaben .Schon in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre war in der Augs-burgcr Gegend Leipziger Originalvcrlag überhaupt nicht zu haben^;zu Anfang der neunziger Jahre schrieb Schiller aus Ludwigsburg, inSchwaben schwirrte alles von Nachdrucken, und von aller Welt würdendie Erzeugnisse der litterarischcn Korsarcn gekauft.^ Die Häupter desschwäbischen Nachdrucks waren die Schmiedel in Karlsruhe , Fleischhauerund Grözingcr in Reutlingen, Schramm und Franke in Tübingen .Christian Gottlicb Schmiedel konnte sich des stolzen Bewußtseins er-freuen, der volkstümlichste Nachdruckcr in Deutschland zu sein; die Nach-drucke! hießen „die Schmiedel", der Nachdruck hieß „Schmicdcrey", nach-drucken „schmicdern"." Im Jahre 1779 machte er bekannt, daß seineSammlung der besten deutschen Schriftsteller nun aus 88 Teilen bestehe;sie kostete zusammen ganze 32 fl. 52 kr., der Teil also 22 Kreuzer, aufder Frankfurter Messe zu haben bei Joh. Christian Ruff neben der