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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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2. Kapitel: Sturm und Drang : der Nachdruck.

Katharinenpfort. Fleischhauer in Reutlingen und die beiden TübingerSchramm und Franke thaten sich in den siebziger Jahren zu der Auf-gabe, den ober- und niedersächsischen Buchhändlern nachzudrucken, zu-sammen.^ An den schwäbischen Hauptherd schlössen sich nördlich dieLande etwa bis zur Mainlinie an: Frankfurt in der Mitte, östlich davonFranken und westlich die Lande zwischen Rhein und Mosel. In Bam-berg saß Tobias Göbhardt, in Schwabach der Buchdrucker Mizler, dersich hinter Benedikt Hurter zu Schaffhauscn versteckte.^ In Frankenthalwaren Eudcrs und Gegels Erben an der Arbeit. In Speyer gabeine Rachdruckergesellschaft eine Sammlung der besten Religions- undSittenschriftcn heraus, und mit Rachdrucken ähnlichen Inhalts magsich dieGesellschaft zur Beförderung der Gottseligkeit in Usingen " be-schäftigt haben.

Die Nachdrucke wurden auch in Norddeutschland gern gekauft, wennman sie bekommen konnte;das deutsche Publikum", schrieb Bürger ge-legentlich des Pränumcrationsausschreibens deraußerordentlichen" Auf-lage seiner Gedichte,ist exPöi'to erkckk Uuxgrtc» ein wahrerLause-, der sich uicht schämt und nicht grämt. Ungefähr hundert und

dreißig Abonnenten haben sich gemeldet,......der Lause- bchilft

sich lieber mit Nachdrucken, deren Wtsr ein halbes Dutzend im Gangesehn mögcn"^"; freilich war der Prünumerationsprcis auf diese zwei-bündige Ausgabe in Mcdianottav, auf schön geglättetem Schweizer- resp.,bei gutem Erfolg, Velinpapier, in schöner, lateinischer Didotschcr Schrift,mit ausgewähltem, politicrtem, best korrigiertem Text und schönsten Knpfer-verzierungen ein Louisdor, d. h. in heutigem Gelde etwa 37^2 Mark."Im Süden aber war der Nachdruck allmächtig; er beherrschte Buch-händler und Publikum. Wohl wurde der Rachdruck von dem bessernTeile des Publikums auch hier verabscheut; allein daß man seine Er-zeugnisse kaufte, war natürlich genug. Daß die Masse der Kunden,sobald ein Nachdruck vorlag oder zu erwarten stand, das Originalnicht kaufte, war jedem Reichsbuchhändler und Nichtrcichsbuchhändlerwohlbekannt.^ Das waren keineswegs nur mittellose Leute oder solche,die für eine edle Pflege der Littcratur wenig Sinn hatten.Noch neu-lich hörte ich in einem Buchladcn, wie ein deutscher Regent die ganzeFolge der Karlsruher Nachdrucke bestellte wegen ihres wohlfeilenPreises."'-" Da sind denn die Eröffnungen auch solider schwäbischer