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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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Süddeutscher Nachdruck. Mannheimer Freie Niederlage". 7Z

Buchhändler, daß es dort fast unmöglich sei, als ehrlicher Mann mitheiler Haut durchzukommen'", begreiflich. Wer den Nachdruckern nichtsabnehmen wollte, dem blieben die rechtmäßigen Ausgaben, die er aufder Messe nahm, im Laden liegen.^ Wer seine Kunden nicht verlierenwollte, mußte notgedrungen mit Nachdrucken handeln.'-^ Das Be-dürfnis des Publikums zwang auch den soliden Buchhändler, und dieSpekulation des Buchhändlers zwang auch das wühlerische Publikum:je kleiner die Handlung war, um so weniger schaffte sie sich Original-ausgaben an:also muß das Publikum kaufen, was es findet."'"Schmieder aber lastete sogar auf den Nachdruckcrn. Macklot in Karls-ruhe und Eckebrccht in Heilbronn standen lange Jahre in Tauschver-kehr; durch die Schmiedcrsche Nachdrucksfabrik litt die MacklotscheHandlung so bedeutend in ihrem Sortimentsabsatz, daß der Austauschzwischen ihr und Eckebrccht nicht mehr ein Sechstel des frühern betrug.Bon den bessern Elementen aber konnte es so mancher fast bereuen, zueiner Zeit uud in einer Gegend, wo man den Zustand des Buchhandelsals ein dsHum ownium contra omnes bezeichnen mußte'^, Buch-händler geworden zu sein.2" Über die bei Orell, Geßner, Füßli ^ Comp,erschienene Wielaudschc Shakespeare-Ausgabe fielen im Jahre 1777 fünfNachdrucker zugleich her: Schmicder in Karlsruhe, Fleischhauer in Reut-lingen, Bender in Worms , Joh. Friedr. Abshovcn Erben Rommers-kirchen in Bonn und mit kaiserlichem Privilegs Hofrat undPostsckretär Becke und Gchcimset'rctär und Professor Klciu in Mann-heim , die Herausgeber derAusländischen schönen Geister", die ihnenauch den Milton schon nachgedruckt hatten.

In den Jahren 1778-79 machte Christian Friedrich Schwan inMannheim noch einmal selbst den Versuch, die Kluft durch die Errich-tung eines norddeutschen KommissionSlagcrs im Süden, diesmal in Mann-heim, überbrücken zu helfen. Er vereinigte sich zunächst mit FriedrichNicolai in Berlin ; Nicolai gab ihm seinen sämtlichen Verlag in Kom-mission, sandte ihm seine Neuigkeiten franco Mannheim und gewährteihm Drittelrabatt. Schwan lieferte die Artikel den Buchhändlern scincrSphäre aus eigene Rechnung mit 25"/,,; offenbar nicht, indem er ihreBestellungen abwartete, was ja der Idee des Unternehmers nur unge-nügend entsprochen haben würde, sondern nach Rcichsbuchhändlcrart pronovitat-s und ü emulitum." Unter denselben Bedingungen versprach