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umgekehrt Nicolai den Schwanschcn Verlag in Kommission zu nehmen.^Schwan hoffte, daß sich hüben und drüben Buchhändler finden würden,die sich einem solchen Abkommen anschlössen.^ Allein bald gingenseine Gedanken weiter, und nun wurde sein Vorhaben das genaue Wider-spiel des Hanauer Umschlags. Ein von ihm erwirktes kurfürstlichesPrivileg vom 28. Dezember 1778 erteilte den kurpfälzischen Buchhändlerndas Recht, in Mannheim eine freie Niederlage auswärtiger Verlagö-bücher zu errichten, und forderte die auswärtigen auf, daselbst ein kleinesKommissionslager zu halten, aus dem die benachbarten Gegenden anRhein und Neckar zwischen den Leipziger Messen das Nötige beziehenkönnten. Es stellte ein besonderes buchhalterisches Handelsgericht, daszugleich als Censurbehörde für die einzuführenden Bücher fungieren sollte,und Freiheiten von sämtlichen Zöllen und Abgaben in Aussicht. Füralle auswärtigen Buchhändler, die ihre Verlagsbücher in die Niederlagesenden und ihre Namen sowie die Titel ihrer in die Niederlage gesandtenBücher beim HandlungSgcricht einschreiben lassen würden, galt erstensund vor allem das Verbot der Veranstaltung und des Berkaufs vonNachdrucken dieser Artikel in den Kur- und sämtlichen Erblanden. ^
Schwan sprach die Möglichkeit aus, daß, wenn das HandlungSgcrichteinmal ordentlich etabliert sei, die kleinen Regierungen dem Beispielevielleicht nachfolgen, ja auch Vorstellungen beim Kaiser mehr Erfolghaben möchten als bisher. Daß er an solche Erfolge wirklich geglaubthat, ist kaum anzunehmen; aber auch die Mannheimer Niederlage selbstkam nicht in Gang — konnte es unter den herrschenden Verhältnissennicht, ganz abgesehen von der für eine buchhündlcrischc Eentrale un-geeigneten Lage Mannheims. In dem Briefwechsel zwischen Schwanund Reich, der bis zu des letztern Tode reicht, ist nach dcm Jahrc 1779keine Rede mehr davon; zu Neujahr 1782 hat sich dann Schwan ge-schästsmüde und körperlich leidend ganz vom Buchhandel zurückgezogen.^
Dem österreichischen Nachdruck gegenüber sind nicht einmal solcheVersuche unternommen worden; der schlechte Geldkurs und die hohe Frachtund Maut allein waren Umstände, die sie wenig einladend machten.In ganz anderer Richtung bewegten sich daher hier Hoffnungen undBemühungen der Norddeutschen, als in den siebziger Jahren die Flutdes Nachdrucks immer höher stieg — schrieb doch Schwan im Februar1777: er wisse nicht, ob die Gründung des Mannheimer norddeutschen