Förderung des Nachdrucks durch Joseph II. Trcittucrs „Skizzirtcr Plan". 81
Um dic Wende des Jahres 1784 kam es zu einem zweiten Er-eignis, in welchem, aller Welt sichtbar, weithin in der deutschen Buch-händler- und Schriftstcllcrwelt das peinlichste Aussehen erregend, daskaufmännische Interesse des Nachdruckcrs und die ideale Forderung desSchriftstellers gleichzeitig vor den Stufen des Throns erschienen und derKaiser den Schriftsteller von sich wies und dem Nachdruckcr die Palmereichte. Im November 1784 verfaßte Trattner einen „Skizzirten Planzur allgemeinen Verbreitung der Lectürc in den K. K. Staaten durchwohlfeile Lieferung der Bücher für alle Fächer der Wissenschaften"; dies-mal, wie er sagte, im Auftrage einer „Gesellschaft von Männern, derenGeschäft und Vergnügen die Wissenschaft sind"; mehr als sechzig zumTeil angeschenste Buchhändler, denen Trattner ihre eigenen Werke nach-druckte, werden als „Eollcktcurs" uud „Beförderer" aufgeführt. DasZiel ist Aufklärung. Der Mittel sind zwei. Erstens: dic Aufforderungan alle Schriftsteller innerhalb und außerhalb der K. K. Staaten, ihreneuen Origiualwerke oder guten Übersetzungen gegen die vorteilhaftestenBcdingnisse zu überlassen; zweitens: der Nachdruck der gangbarsten,zum Teil besten Werke. Ein verändertes: 1a dourse ou vis. Unterden angekündigten Nachdrucken befinden sich u. a. Predigten von Massilonund Bourdalouc, Zollikofcr, Jerusalem, Spalding; Wörterbücher; auchClausbcrgs demonstrative Rechenkunst, dic doch der liebenswürdige Breit-kopf verlegt hatte, wurde hier angezeigt. Diesen Plan überreichte Trattner,er arbeitete ja damit fortgesetzt an der Aufgabe, die ihn auf AllerhöchstenBefehl nun schon Jahrzehnte lang beschäftigte, noch im Jahre 1784 demKaiser. Zugleich sandte er aber den Entwurf — denn zu dem fertigenPlan fehlte ihm, der das Feld der gangbaren norddeutschen Littcraturschon so flcißig abgegrast hatte, noch eine neue gut ausgewählte Listeuachdruckbarer Werke — in einer gehorsamsten Nota an mehrere Schrift-steller und ersuchte sie um ihre „erleuchtet- und patriotische Mcynuug"und Angabe zum 'Nachdruck empfehlenswerter Bücher. Welche Empörungsich der befragten Schriftsteller über ciu solches noch dazu unter kaiser-licher Protektion gestelltes Ansinnen bemeistcrte, davon zeugen die Ant-worten, die Trattncr empfing. Lorenz Leopold Haschka nannte den Nach-druck eiucn Straßenraub, dessen Schändlichkeit Gott selber mit allerseiner GottcSmacht nicht unschändlich machen könne; er werde sich demAnsinnen so wcuig fügen, als er einem Unglückliche», der unter die
Geschichte des Deutschen Buchhandels. III. 6